Drei Punk-Bands in Offenbachs Stadthalle

Museumsreif, aber nicht tot

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Völlig losgelöst: Sänger Jeremy McKinnon

Offenbach - Gleich drei Bands aus Übersee arbeiten sich an einem langen Abend in der übersichtlich gefüllten Stadthalle an einem Genre ab, das seit geraumer Zeit einen festen Platz im Museum belegt. Punk lebt, dauerhaft untot irgendwie. Von Peter Müller 

Deshalb wirkt manches an den Bands The Story So Far,Every Time I Die und A Day To Remember, die jetzt in der Offenbacher Stadthalle gastierten, altbacken, wenn nicht zerfahren. Zu später Stunde, es muss gegen 23 Uhr sein und bezeichnenderweise nach zwei Akustiksongs, die klassisches Singer/Songwriter-Material verwursten, turnt Sänger-Irrwisch Jeremy McKinnon seine zweifelsfrei schwierigste Kür: In einem Mega-Plastik-Ball walzt er sich, strampelnd wie im Hamsterrad, über die ausgestreckten Hände seiner Fans –und schafft den abenteuerlichen Weg zurück zur Rampe tatsächlich unfallfrei.

Diese Einlage ist so etwas wie der Höhepunkt des Haupt-Acts mit dem viel versprechenden Namen A Day To Remember. Das Quintett aus Florida ist vom „Rolling Stone“-Magazin gerade in die Liste der „10 New Artists You Need To Know“ gewählt worden – eigentlich ein Ritterschlag, wenn die Mannen aus Ocala nicht schon seit gut zehn Jahren mit dem wilden Mix aus Metal, Hardcore und Pop-Punk unterwegs wären.

Post-Punk-Songs durchgeschreddert

Nachdem die Kalifornien-Combo The Story So Far ein beeindruckendes 30-Minuten-Set mit, nennen wir es mal Post-Punk-Songs, durchgeschreddert hatte, gefolgt von den mit ihren Headbangern und einer akustischen Abrissbirne angerückten Buckley-Brüdern von Every Time I Die, gab es auch Einiges zu hören vom Erfolgs-Album „Common Courtesy“.

Das Werk klingt live natürlich etwas härter, es sei denn, die von Frontmann McKinnon angezettelte Crowdsurfer-Königsdisziplin hat Pause – und die Handy-Kerzen werden zum Lagerfeuer-Sound von „You Had Me@Hello“ oder „If It Means A Lot To You“ gezündet.

Womit auch schon bei der Krux des A-Day-to-Remember-Gigs wären: McKinnon und Co. stellen natürlich selbst die Stil- und Ausverkauffrage, wenn selige Songwriter-Balladen und eher moderater Pop-Rock der Marke „Homesick“ sich mit energiegeladenen Punk-Kracher wie „The Plot To Bomb The Panhandle“ oder dem guten alten „A Shot In The Dark“ die Klinke in die Hand geben.

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Und damit bezeugen, dass die Band sich stilistisch noch immer nicht gefunden - oder eben doch für radiotauglichen Mainstream entschieden hat. Die Mannen, die ihre wütendsten und vielleicht überzeugendsten Songs („Violence“, „The Downfall Of Us All“) bis zur Zugabe aufsparen, können mehr.

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