Musical-Nacht im Offenbacher Capitol

Offenbach - Wenn das Phantom der Oper und Evita sich ein Stelldichein geben und Falco auf die Kaiserin von Österreich trifft, darf man sich mittendrin fühlen in der schillernd bunten Welt des Musiktheaters. Von Harald H. Richter 

Auch Jekyll & Hyde und der König der Löwen haben es auf die Bühne des Offenbacher Capitols geschafft und tragen dazu bei, das Publikum an abenteuerliche, mystische und majestätische Schauplätze zu führen. 600 Zuschauer lassen sich bei der „Nacht der Musicals“ verzaubern von stimmgewaltigen Solos und Duetten, prächtigen Kostümen und einem ebenso einfühlsamen wie mitreißenden Melodienreigen mit Auszügen aus 15 Welterfolgen.

Diese fast dreistündige Gala erfüllt die Erwartungen. Mal fetzig rockig, dann wieder sanft melancholisch - für jeden Musikgeschmack ist etwas dabei. Die Mitglieder des zwölfköpfigen Ensembles präsentieren Hits unvergesslicher Klassiker, etwa aus „Cabaret“, „Cats“ und „Les Misérables“, aber auch Auszüge aus „Rock Of Ages“ und ein Medley aus „We Will Rock You“. Ebenso erlebbar wird der Kampf des Phantoms der Pariser Oper um die Liebe zu Christine. Die Musical-Ohrwürmer, gepaart mit ansteckender Spielfreude und mitreißenden Tanzeinlagen der Broadway Dance Company, halten die Zuschauer nicht auf den Plätzen. Es wird mitgesungen, geklatscht und auf den Rängen getanzt.

Geeignete Atmosphäre

Da das Bühnenbild bei der Vielzahl an Ausschnitten eher spärlich ausfällt, schaffen Beleuchtung und Klänge die geeignete Atmosphäre. Grünes Licht versetzt Tarzan in den Urwald, Bilder der Savanne legen Sandspuren von Simbas musikalischer Rückkehr ins geweihte Land. Glitzernde Discokugeln verorten den ABBA-Welterfolg Mamma Mia in einen Tanzpalast. Einblendungen geben weitere Themen vor. So erscheinen Bilder von Evita Peron, Falco und Mozart. Am Bühnenrand indes präsentiert Stefan Poslovski sich als Frank N. Furter aus der „Rocky Horror Show“ in aufreizenden Dessous und lasziven Posen, spielt frivol mit dem Publikum. Auch Isabel Dörfler weiß zu überzeugen, nicht verwunderlich angesichts 30-jähriger Bühnenerfahrung unter anderem am Berliner Friedrichstadtpalast.

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Himmlischer Beistand führt schließlich Lounge-Sängerin Deloris aus einer verruchten Bar in die gar nicht so stille Abgeschiedenheit klösterlichen Lebens und das Publikum hin zum großen Finale. Doch ohne Zugabe werden die Darsteller nicht von der Bühne gelassen. Die wiederum revanchieren sich, indem sie die Zuschauer zum Mitmachen anleiten: Aufstehen, Arme in die Höhe und auf die Hüfte, dann noch ein beherzter Luftsprung. Die meisten Zuschauer lassen sich darauf ein und setzen mit dem Ensemble einen fröhlichen Schlusspunkt - ganz im Sinne der Definition von Musical, wonach Text, Gesang, Tanz und Musik zur Einheit verschmelzen.

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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