Musical-Welterfolg „Cats“

Auf flotten Pfoten

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Katzenmusik im Theaterzelt: Das „Cats“-Ensemble kann sich Gehör verschaffen

Frankfurt - Ist die Katze gesund, freut sich der Mensch. So behauptet es zumindest ein Werbespruch, dessen Gültigkeit sich nun in Frankfurt überprüfen lässt. Dort gastiert der Musical-Welterfolg „Cats“ im eigens dafür errichteten Theaterzelt. Von Christian Riethmüller

Fast 32 Jahre hat Andrew Lloyd Webbers Musical seit seiner Uraufführung am 11. Mai 1981 in London nun auf dem Buckel, doch die Strahlkraft von „Cats“ ist ungebrochen. Das zeigt auch die bis zum 9. Mai in Frankfurt gastierende Originalinszenierung des Musicals, die bei der Premiere am Mittwochabend das Publikum im vollbesetzten Zelttheaterrund von den Sitzen riss.

Die Begeisterung galt dabei weniger der dürren Handlung des Musicals, die sich an T.S. Eliots berühmtem Katzengedichtband „Old Possum’s Book of Practicle Cats“ orientiert und schnell erzählt ist: Einmal im Jahr feiern die sogenannten Jellicle-Katzen auf einem Schrottplatz einen Ball, bei dem der steinalte Katzenhäuptling Alt Deuteronimus (Pieter Tredoux) eine Katze erwählt, die die Reise zum magischen Heaviside Layer antreten darf, die die Wiedergeburt in ein neues Leben verspricht.

Also schnurren, hüpfen, tollen und tanzen die Katzen wie der flotte Rum Rum Tugger (Nicky Wuchinger), die biedere Jenny Fleckenfell (Leah Delos Santos) oder die alternde Grizabella (Masha Karell) um die Wette und vergessen dabei auch die Katzenmusiken nicht, zu denen mit „Erinnerung“ (im Original „Memory (Daylight)“) ja auch ein von zahllosen Interpreten gesungener Welthit gehört.

Gestört wird das bunte Katzenfest freilich vom schurkischen Maccavity (Csaba Farago), doch nicht zuletzt die magischen Kräfte des Zauberkaters Mr. Mistoffelees (Mark John Richardson) sorgen für ein gutes Ende der jährlichen Versammlung.

So betulich die Geschichte, so rasant sind die Tanzszenen, die mit akrobatischen Sprüngen ebenso entzücken wie mit anmutiger Ballettkunst und gerade im Ensemblespiel dank absolut synchronen Miteinanders noch immer Maßstäbe setzen.

Hat „Cats“ in tänzerischer Hinsicht noch keinerlei Staub angesetzt, wirkt die Musik mit ihren leiernden Synthesizer-Sounds mittlerweile doch etwas aus der Zeit gefallen. Die der Original-Partitur verpflichtete Orchester-Band unter Leitung von Daniel Rein kann hier allerdings kaum etwas ausrichten. Auch der in einigen Bereichen des Zelts eher dürftige Sound, der das Verständnis der deutschen Texte mitunter unmöglich macht, ist nicht der Band, sondern der Architektur des Theaterzelts anzulasten, wo sich nirgends der Schall so recht brechen kann. Dafür bietet das Zelt besten Blick auf die mit überdimensionalem Müll kunstvoll gestaltete Schrottplatz-Bühne - und den 22 Katzen-Darstellern in ihren vielfarbigen Kostümen auch noch genügend Auslauf in den Tribünengängen, um auch dort auf flotten Pfoten umherzustreifen und den Werbespruch zu bestätigen. Kraftvolle „Cats“ erfreuen den Menschen.

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