Musik aus dem heimischen Wohnzimmer

Talking To Turtles sind Vertreter einer musikalischen Westorientierung. Der von ihrer Plattenfirma verbreiteten Kunde nach hat das aus Berlin und Leipzig stammende Duo um den Sänger und Gitarristen Florian Sievers und die Keyboarderin Claudia Göhler sein Debütalbum „Monologue“ bei einer zehntägigen Klausur im Zimmer einer Wohngemeinschaft am Prenzlauer Berg in Berlin aufgenommen. Von Stefan Michalzik

Sie laden sich gern Freunde ein. Ein Quartett stand im Offenbacher Hafen 2 auf der Bühne, besetzt mit dem Elektroniker Stefan Streck und dem Schlagzeuger Charlie Pascher. Die vier Mittzwanziger kennen sich vom gemeinsamen Ursprungsort Rostock. An die Stelle der Zartheit, ja Zerbrechlichkeit der Einspielung und kargen Inszenierung mit kaum mehr als akustischer Gitarre, Glockenspiel und Melodica ist im Konzert eine robustere, klangfülligere Form getreten.

Das Wohnzimmer hat sich geöffnet, die Intimität aber ist nicht verloren gegangen. Obwohl das Bild im Widerspruch zu dem des Wohnzimmers steht: Die Musik lässt Assoziationen zum Lagerfeuer zu. Sie ist in der amerikanischen Folktradition verwurzelt. Mit den Moldy Peaches, Protagonisten der Anti-Folk-Bewegung, wurden Talking To Turtles verglichen, durchaus zu Recht. Die von Sievers und Göhler verfassten Songs sind bis zur Schwelgerei melodisch, die fistelige Stimme des bärtigen Lockenkopfs Sievers scheint wie gemacht zur Klage.

Ein Zug zum Positiven ist diesen Seelenwärmern eigen, aber nicht ungebrochen. In einem Lied wird die Liebe als Geheimwaffe besungen oder beschworen: „Monster’s Teeth“ lautet der heimelige Titel ...

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