Musik aus der Konsole

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Gameboy Musik Pornophonique

Die Darmstädter Band Pornophonique bedient in ihrer Musik nicht nur die Klampfe, sondern auch einen alten Bekannten - den Gameboy. Von Dirk Beutel

Von Nerds gemachte Musik wird im Radio nicht gespielt. Generell nicht. Wer will denn das auch hören? Vor allem nicht solche piepig programmierte Computersounds, die man allenfalls noch aus ganz alten Action- oder Geschicklichkeitspielen à la „Space Invaders“ und Tetris kennt.

Gameboy Musik Pornophonique

Trotzdem. Genauso wie Serien, New-Wave oder Klassiker der Neuen Deutschen Welle aus den 80er Jahren das Leben der damaligen Jugendlichen nachhaltig beeinflusst haben, brachte auch die seinerzeit aufkommende Computerspiel-Welle wahre Kultobjekte hervor. Allen voran die Games auf dem C64.

Vielen Kids bereiteten die damals für den 8-bit-Heimcomputer programmierten Spiele schlaflose Nächte. Zu dieser Generation gehört auch Kai Richter: „Ich hab’ damals stundenlang an ‚Last Ninja II’ gesessen“, erinnert sich der heute 34-Jährige. Auch die Mutter aller Jump’n’Runs, „Giana Sisters“, stand bei ihm hoch im Kurs. Sein Kompagnon Felix Heuser kann da nur mit den Achseln zucken. Der 25-Jährige wuchs mit Gameboy und Super Nintendo auf. Die „Klempnerbrüder“ Mario und Luigi lassen grüßen.

Obwohl Kai und Felix fast zehn Jahre Altersunterschied trennen, vereint sie die Faszination für eine längst vergessene Computer-Spielwelt. Eine Welt, in der Roboter, Lemminge und unbezwingbare Endgegner die Szene dominierten.

Gameboy als Musikinstrument

Für die zwei Darmstädter eine ideale Themenvorlage, um daraus Musiktexte zu komponieren. Mehr noch: Kai und Felix, besser bekannt als die Band Pornophonique, nutzen einen handelsüblichen Gameboy als Musikinstrument. Während Felix bei Live-Auftritten meist auf einem Barhocker sitzt und vertieft in seine Konsole hineintippt, sorgt Kai mit seiner Wandergitarre für das entsprechende Maß an Show. Er ist nicht unbedingt ein Derwisch mit der Klampfe, bringt aber zumindest so viel Choreografie auf die Bühne, wie eben nötig ist.

Keine Pyrotechnik, Backgroundsänger oder Lichteffekte braucht’s. Hier soll alles ein bisschen minimalistisch sein. Das daraus gemixte Klanggebräu nennen die zwei bekennenden Comicfans „8-bit meets Lagerfeuer“. So lautet auch der Titel ihres ersten und bislang einzigen Albums, das 2007 erschienen ist.

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