Traue niemals einem hübschen Kerl

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Musik/Symbolbild

Offenbach - „Geschlechtsteile“, hat Vera Kropf, die Sängerin der ursprünglich aus Wien stammenden, mittlerweile zur Hälfte in Berlin ansässigen Band „Luise Pop“ kürzlich in einem Interview gesagt, seien ,,gut zum Liebe machen“ - für andere Lebensbereiche sollten sie keine Rolle spielen. Von Stefan Michalzik

In diesem Lichte betrachtet erscheint es konsequent, dass bei dem ansonsten nur aus Frauen bestehenden Quartett, das im Offenbacher Hafen 2 gastierte, ein Mann am Schlagzeug sitzt: Martin Lehr, der Andreas Spechtl von „Ja, Panik“ abgelöst hat. In der Ideengeschichte einer frauenrechtlerisch orientierten Popmusik schließen Luise Pop an die Riot Grrrls der neunziger Jahre an, an Bands wie „Bikini Kill“ und „Le Tigre“. Und, obgleich sie englisch singen, auch an den Geist hiesiger Bands wie „Die Braut haut ins Auge“ oder die „Lassie Singers“.

Musikalische Aufbruchstimmung

,,Never trust a pretty boy“, lautet eine der Songweisheiten. Es geht um romantische Verheißungen im Lichte eines ,,Fat Yellow Moon“, aber auch um böse Erfahrungen auf dem Rücksitz eines Autos.

Die Musik verströmt eine Aufbruchstimmung. Alles geschieht mit Selbstbewusstsein. Und Selbstverständlichkeit. Mit der Hinterlassenschaft einer seligen Popsong-Welt der fünfziger und der frühen sechziger Jahre, mit Surf- und Buddy-Holly-Gitarre gehen „Luise Pop“ nicht minder spielerisch unbeschwert um wie mit dem Feminismus. Vera Kropf trägt ein Kleines Schwarzes, die Bassistin Erin Stewart ein Kleid mit kurzem Rock und Ausschnitt; es geht spürbar in erster Linie darum, sich selbst zu gefallen. Der männliche Blick spielt dabei allenfalls eine untergeordnete Rolle.

Lässige Melodien und bezwingende Rhythmen

Auf der Bühne präsentiert sich die Musik in erster Linie als schnörkelloser Gitarrenpop mit unaufdringlich bezwingenden Rhythmen und lässigen Melodien. In den Aufnahmen des auf das Jahr 2009 zurückgehenden Debütalbums ,,The Car The Ship The Train“ sind die Elektroniksounds zum Teil präsenter, das Anfang des Jahres herausgekommene zweite Album ,,Time is a Habit“ ist stärker auf die Gitarre fokussiert.

,,Ist das gut genug gestimmt für euch?“, hat Vera Kropf zum Beginn des Zugabenteils gefragt, kokettierend mit einer vom Punk hergeleiteten Dilettanten-Attitüde – mit der es „Luise Pop“ musikalisch sehr weit gebracht haben. Der Feminismus, den die Band verficht, ist von einer beinahe beiläufigen Art, und sie ist nicht monothematisch. Immerhin lässt es sich schon auf den Errungenschaften der Altvorderen, der Alice-Schwarzer-Generation aufbauen. Der Impetus ist darum nicht primär ein kämpferischer, wenngleich die Songs, die überwiegend Vera Kropf, vereinzelt die dann auch als Sängerin in Erscheinung tretende Keyboarderin Lisa Berger schreibt, im Bewusstsein entstehen, dass es noch viel an weiteren Fortschritten zu erreichen gilt in einer nach wie vor weitreichend von Männern bestimmten Welt – und Popwelt.

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