Musik mit Erholungswert

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Hohe Kunst der Natürlichkeit: Andreas Scholl und Tamar Halperin.

Frankfurt - Andreas Scholls Countertenor lässt das Natürliche höchst kunstvoll und das Kunstvolle höchst natürlich klingen. Ob frühbarocke Lieder aus England oder britische „Folksongs“, ob „Deutsche Volkslieder“ von Johannes Brahms oder Vokalwerke von Haydn. Von Axel Zibulski

In der Oper Frankfurt sorgte der aus Kiedrich im Rheingau zur Weltkarriere aufgebrochene Sänger nicht nur für einen ausverkauften, sondern auch für einen glanzvollen Liederabend.

Zusammen mit seiner Lebens- und Cembalo-Partnerin Tamar Halperin stellte Scholl Henry Purcells „Music for a while“ wie ein Motto an den Anfang: Musik möge für eine Weile allen Gram vertreiben. Nichts leichter als das, wenn sie so makellos rein, unbeschwert und leuchtend, so text- und stimmungsgenau vermittelt wird. John Dowlands Liebe zur Melancholie hatte einen sanft lamentierenden, aber nie larmoyanten Ton, Henry Purcells Lob der Einsamkeit („O Solitude“) bannte als Auslotung der Pianissimo-Stufen.

Publikum singt mit

Auch Scholl war der Mode, ein Konzert durch Plaudereien in Richtung Publikum aufzulockern, zugeneigt. Allerdings konzentrierte er sich dabei auf wenige und tatsächlich informative Anmerkungen zu seinem außergewöhnlichen Repertoire. Und als er am Ende der ersten Programmhälfte das Publikum zum Mitsingen des Refrains aus Purcells deftigem „Man is for the woman made“ motivierte, hatte selbst das den Charme des Auflockernden, weil Scholls Interpretationen ansonsten hoch seriös und ernsthaft wirkten: Vier „Deutsche Volkslieder“ von Johannes Brahms veredelte Scholl, von Tamar Halperin nun auf dem Konzertflügel begleitet, mit seiner unnachahmlich mühelos, farbenreich und geschmeidig geführten Kopfstimme.

Auch die englischen „Folksongs“, die den offiziellen Programmablauf beschlossen, nahmen mit atmosphärischer Dichte immer wieder für sich ein. Ein punktuelles Bariton-Fundament hatte Scholl zwischenzeitlich sicher platziert; Tamar Halperin ergänzte das Konzert solide mit Cembalo-Stücken von Purcell und einer Klaviersonate Joseph Haydns. „Mucic for a while“ gab es noch einmal als Zugabe, dazu eine Nummer aus Händels Oratorium „Saul“: Vom Kiedricher Andreas Scholl war das Frankfurter Publikum sichtlich hingerissen.

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