Musik mit verschwitzter Plauze

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Die „V8Wankers“ treten am 17. April im „Final Destination“ in Frankfurt auf, am 23. April erscheint ihr neues Album: Marc Zimmer alias „Marc De Vil“, Ralf Lutz „Vegas“, Sacha „Sick Sach“ Meinert, Thorsten „Schmuddel“ Jaksch und Christian „Vulcanus“ Molina (von links).

Offenbach - Spiel mir das Lied vom Tod“ heißt es im Musikgeschäft schnell für Bands, denen nicht mit goldenen Schallplatten gehuldigt wird. Dass es nicht so enden muss, beweisen die „V8Wankers“. Die Recken um den Offenbacher Frontmann Ralf Lutz (alias Lutz Vegas) sind bereits seit zehn Jahren im Business. Von Sebastian Faerber

Die Gründe: Leidenschaftliche Musiker und ein Sänger, für den Musik die Essenz eines erfüllten Lebens ist; diesen Monat erscheint ihr neues Album „Foxtail Testimonial“. Dabei hatten sich die „Wankers“ zu Beginn nicht einmal selbst auf dem Radar: Die Band entstand als Nebenprojekt der Offenbacher Combo „Lore“. Damals sang Lutz Vegas noch ausschließlich auf deutsch. Daher dürften auch die meisten OFC-Fans seine Stimme kennen: Der Satz „Hier meldet sich der Bieberer Berg“, der hin und wieder aus den Stadion-Boxen schallt, ist nicht mehr die originale Version aus den 50ern, sondern stammt aus dem „Lore“-Song „Mein Freund ist Offenbacher“. Zwar gewann „Lore“ 1999 in der „Batschkapp“ einen Rockwettbewerb, trotzdem gelang es der Band nicht, auch außerhalb des Rhein-Main-Gebietes bekannt zu werden. Deshalb entschlossen sich die Musiker, parallel eine englischsprachige Band auf die Beine zu stellen.

Ihren ersten Auftritt hatten die „V8Wankers“ in der Offenbacher „Hafenbahn“. Danach sei dann alles ganz schnell gegangen: Auf einen Plattenvertrag folgte ein Auftritt auf dem weltweit größten Heavy Metal-Festival in Wacken und neben den „Wankers“ war kein Platz mehr: Das Nebenprojekt war zu einer festen Größe avanciert, 2003 traten die Wankers in Kroatien sogar zusammen mit „Motörhead“ auf.

16 Weisheiten von Lutz Vegas

Die Welt ist … „Offenbach.“

Offenbach ist … „die Welt.“

Ich habe immer Zeit für … „ein Bier.“

Roland Koch macht … „besser Kochsendungen.“

Die FDP hat … „schöne Luftballons.“

Die Fußball-WM gewinnt … „nie der Bessere.“

Wenn morgen das Erdöl ausgeht, dann … „gebe ich meinen Führerschein ab.“

Wenn den Tätowierern die Farbe ausgeht … „bin ich schon längst zutätowiert.“

Wenn ich aus Offenbach wegziehe, dann ... „wird‘s ernst.“

Pumuckl war … „der erste Punkrocker.“

Ich weigere mich … „Dinge einfach hinzunehmen.“

Ein Auftritt ist gelungen, wenn … „die Leute Spaß hatten.“

Der RMV sollte mal … „die Preise senken.“

Die Jugend macht … „heutzutage keinen Spaß mehr.“

Unsere Band ist stark … „in ausdauernder Erfolglosigkeit.“

Samstags um drei Uhr nachts ist meistens … „nix mehr los in Offenbach.“

Inhaltlich beschäftigen sie sich in ihren Liedern hauptsächlich mit „Muscle-Cars“ - mit Motor, Gaspedal und qualmenden Reifen, was als eine Metapher für den Drang nach Freiheit zu verstehen ist. Daher auch der Name „V8Wankers“, denn jene Autos aus den späten 60ern hatten großvolumige Achtzylinder-Motoren mit jeder Menge Drehmoment und grollendem Sound. Das passt wiederum zur Musik der Band: „Im Prinzip sind wir eine harte Hardrockband.“ Kritische oder gar politische Themen sind hingegen nicht Gegenstand ihrer Spielkultur: „Wir wollen nicht klugscheißerisch daherkommen, sondern Spaß machen.“ Diese Einstellung herrscht auch auf ihren Konzerten vor. Da springen Leute waghalsig von der Bühne, Tabakrauch und Bierdunst geben der Luft einen Geschmack. Um dem Publikum einzuheizen, hat Lutz Vegas seine ganz eigene Strategie: Natürlichkeit. Das wird oft propagiert und ist meistens nur Plattitüde. Für Vegas hingegen bedeutet es, sich schlicht auf den Charme der Arbeiterklasse zu verlassen. „Dazu gehört auch mal, die verschwitzte Plauze rauszustrecken – eben keine Angst davor zu haben, mies auszusehen.“ Aus finanziellen Gründen seien der Band Auftritte im Osten am liebsten: „Da ist das Essen billig, das Bier und die Frauen auch“, sagt Vegas mit verschmitztem Lächeln. Mittlerweile ist Lutz Vegas sowohl der letzte verbliebene Musiker der ursprünglichen Formation, als auch der einzige Offenbacher in der Band. Denn über die Jahre haben viele Mitglieder die Gruppe verlassen und andere sind an ihre Stelle getreten. Der Name seiner Heimatstadt steht trotzdem noch auf jedem Tour-Plakat, denn Vegas hat schon immer gerne eine Lanze für Offenbach gebrochen. „Ein generelles Problem des Offenbachers ist, dass er sich gerne klein hält.“

Von Kindesbeinen an wollte Vegas Frontmann einer Band sein. Zwar können die Mitglieder von ihrer Musik nicht leben, weswegen die meisten freiberuflich zum Beispiel als Bühnenbauer arbeiten - das aber sei zweitrangig: „Wenn der Deckel zugeht, will ich bis dato nichts anderes gemacht haben.“ Dass er den gleichen „Fanatismus“ nicht von allen Bandkollegen erwarten kann, ist ihm aber bewusst. „Man muss schon so verrückt sein wie ich.“ Den dankbaren Fans aber hat seine kompromisslose Leidenschaft zehn Jahre derben Underdog Rock‘n‘Roll beschert.

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