Musikalischer Fluss

Frankfurt - Die beiden Namensgeber sind links und rechts postiert, mit Blick auf die übrige Band. Der nigerianische Schlagzeuger Tony Allen, in den siebziger Jahren an der Seite des Afrobeat-Pioniers Fela Kuti, spielt ganz einfach Schlagzeug. Von Sebastian Hansen

Besonders markant tritt er im kollektiven Geflecht nicht hervor. Ein achtköpfiges Ensemble um Allen und den finnischen Musiker Jimi Tenor steht bei der Weltmusikreihe des Frankfurter Summer-in-the-City-Festivals auf der Bühne des Palmengartens. Tenor ist vor einigen Jahren schon einmal in der Jazzreihe aufgetreten. Ein Vertreter der „Weltmusik“ ist er so wenig wie ein Jazzmusiker. Schon sein früher Techno-Hit „Take Me Baby“ basierte gleichsam auf einem Irrtum. Es handelte sich um eine ironische Veräppelung des auf die Simplizität von Hymnen versessenen damaligen Techno-Mainstreams. Mit einem doppelten Boden ist bei Tenor immer zu rechnen.

Beklagenswerterweise ist im Konzertzusammenhang viel von der klanglichen Raffinesse des 2009 gemeinsam mit Tony Allen erarbeiteten Albums verloren gegangen. Abwechselnd prägten vor allem MC Allonymous und nach der Pause verstärkt der afrikanische Sänger Akinola Famosa die Show.

In der Studioproduktion war es Jimi Tenor gelungen, die Unmittelbarkeit des Afrobeats und den Klangfuturismus von Sun Ra, George Clinton und Prince zusammenzubringen. Die Livepräsentation indes drohte sich bisweilen in muckerhafter Freundlichkeit zu verlieren. Nummer um Nummer schlug das Pendel mal zu Rap, Reggae, Psychedelia und Fusion aus. Jimi Tenor ist vorwiegend mit fiepen Keyboardsounds und als Solist an Tenorsaxofon und Flöte hervorgetreten. Als Sänger verbreitete er mal die für seine Songs typische lakonische Melancholie, dann wieder wartete er mit einer verlangsamten Version des Scats auf.

Bestimmend ist über alle stilistischen Schlenker hinweg ein langer musikalischer Fluss, dem eine – durchaus nicht mit Langeweile zu verwechselnde –- Gleichförmigkeit innewohnt. Ein lohnenswertes Konzert durchaus, keines auf der Höhe der Möglichkeiten.

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