Aus Musikers Nähkästchen

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Das Ensemble Modern, geleitet vom Komponisten, zeichnete sich durch Klangsinn und virtuose musikantische Qualität aus.

Frankfurt - Thomas Adès ist ein ganz und gar zeitgenössischer, kein antimoderner Komponist. Umstritten ist er gleichwohl. Dank prominenter Fürsprecher wie Simon Rattle und Kent Nagano fand der 1971 in London geborene Komponist, Dirigent und Pianist außergewöhnlich früh internationale Beachtung und entwickelte sich zu einem der meistgespielten Komponisten seiner Generation. Von Stefan Michalzik

„Happy New Ears“, die Gesprächskonzertreihe des Ensemble Modern in der Frankfurter Oper, beschäftigte sich einen Tag nach der deutschen Erstaufführung der Shakespeare-Oper „The Tempest“ im Holzfoyer mit Kammermusik des Mitte der 90er Jahre entstandenen Frühwerks. Der französische Barockkomponist François Couperin sei ihm ein guter Kompositionslehrer gewesen, berichtete Adès im Gespräch mit dem Musikwissenschaftler Tom Service.

Couperins Musiksprache klingt in der Sonate da caccia op. 11 für Barock oboe, Horn und Cembalo zitathaft an, wie durch einen Filter geschickt freilich. Auf neobarocke Bestrebungen lässt sich Adès’ Musik nicht reduzieren. Sie schließt an die Errungenschaften der Zweiten Wiener Schule wie der Nachkriegsmoderne an. Die polemische Anschuldigung einer „postmodernen Wohlfühlmusik“ greift zu kurz.

Ensemble zeichnete sich durch virtuose Qualität aus

Seine vierstimmige Bearbeitung des von ihm selbst zunächst im Original vorgestellten Couperin-Cembalostücks „Les Baricades misterieuses“ für Kammerensemble allerdings könnte durchaus auf die große Zeit der Salonbearbeitungen im 19. Jahrhundert zurückgehen. Das keltisches Wassernymphenmotiv auf einem Gemälde des viktorianischen Malers Daniel Maclises greift das Ensemblestück „The Origin of the Harp“ op. 1 im Sinne einer Programmmusik des späten 20. Jahrhunderts auf.

Das Ensemble Modern, geleitet vom Komponisten, zeichnete sich durch Klangsinn und virtuose musikantische Qualität aus. Thomas Adès bestätigte die von Service geäußerte Vermutung, er stehe Strawinsky näher als Schönberg. Der engere Kreis der Neuen-Musik-Gemeinde wird ihn dafür der Regression zeihen. Doch es gehört zum Wesen des Fortschritts, dass er seine Richtung ändern kann.

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