Mutter mit Tiefenlot für Romantik

Frankfurt - Anne-Sophie Mutter und das Violinkonzert von Brahms: Das muss Liebe auf den ersten Blick gewesen sein. Von Klaus Ackermann 

Keine kühne Theorie, legt man den beglückenden Pro-Arte-Abend mit dem City of Birmingham Symphony Orchestra und seinem Chefdirigenten Andris Nelsons zu Grunde, dessen Elan ansteckend wirkt. Romantik mit dem kantablen Tiefenlot zu erkunden, aber sich im entscheidenden Moment auch mal zurücknehmen zu können, das unterscheidet den gestandenen Violin-Star von den vielen, in der Weltklasse fiedelnden jungen Frauen.

Zum Auftakt in der Alten Oper Richard Strauss, dessen „Don Juan“ von Beginn an recht schneidig daherkommt. Nelsons diszipliniert und inspiriert sein Orchester gleichermaßen. Hochmotiviert vor allem Hörner und Holzbläser samt süffiger Solovioline in Phasen des Glücks, der Tristesse und des Schmerzes. Dann ein Brahms von hoher Empfindsamkeit. Zwar steht das Violinkonzert in D-Dur, doch der Moll-Anteil bleibt hoch, vor allem in den Kommentaren der Solovioline, bei denen Mutter die markanten Doppelgriffe bewusst durchformt, um besonders in den lyrischen Passagen wie entrückt aufzuspielen. Da stockt selbst Hartgesottenen der Atem. Von wegen „Sinfonie für obligate Violine“. Das böse Wort straft Anne-Sophie Mutter Lügen in virtuosen Passagen, bei denen sie sich nahezu unangestrengt solistisch exponiert. Mutters Zugabe ist die Giga aus der Partita Nr. 2 d-Moll von Bach.

Dass sich nach der Pause die Reihen etwas gelichtet haben, verwundert schon. Denn Prokofjews gemäßigt modernes „Romeo und Julia“-Ballett verschreckt kaum mehr. Dagegen bietet es in Stimmungsbildern, spannenden Szenen und klangvollen Porträts dem britischen Orchester beste Entfaltungsmöglichkeiten. Der Klangfilm vom Abschied der Liebenden und der final makabre, bravourös gemeisterte Marsch - das alles zeitigt Dauerbeifall.

Rubriklistenbild: © dpa

Kommentare