Nachtigall für den Meister der Gesanglichkeit

Frankfurt - Die „Nachtigall“, über die sich Murray Perahia freuen durfte, ist 18 Zentimeter hoch und aus Münzen zusammengesetzt. Von Axel Zibulski

Der Künstler Daniel Richter hat die Skulptur für den „Preis der Deutschen Schallplattenkritik“ geschaffen, der erstmals als Ehrenpreis verliehen wurde. Perahia nahm ihn im Anschluss an das Konzert des Londoner Kammerorchesters Academy of St. Martin in the Fields in Frankfurts Alter Oper entgegen.

Was die Jury an Perahia lobte, nämlich seine Fähigkeit, das Klavier singen und die Musik sprechen zu lassen, hatte der 64-Jährige zuvor selbst beglaubigt. Ludwig van Beethovens Konzert für Klavier und Orchester Nr. 2 B-Dur op. 19, das er selbst vom Flügel aus dirigierte, interpretierte er nämlich lyrisch-inwendig, frei von Virtuosen-Äußerlichkeiten, so exakt wie einfühlsam.

Gläsern perlendes Solo

Perahias Spiel auf dem modernen Konzertflügel ist zugleich zeitlos, sein so geschmeidiges wie elegantes Legato-Spiel, das den Eindruck der Gesanglichkeit wesentlich stützt, klang höchst charakteristisch. Ein kurzes Auftrumpfen am En-de des Durchführungsteils im ersten Satz blieb nur Akzent, das so gläsern perlende Solo am Schluss des langsamen Satzes schönstes Beispiel für Perahias Kunst eines sensiblen, aber nie weichzeichnenden Spiels. Eine kleine Einschränkung nahm man daher gern in Kauf: Perahia dirigierte mit dem Rücken zum Publikum, der offene Flügel ragte in das Orchester hinein und klang somit verhalten präsent.

Erster Gastdirigent der Academy

Seine Pianistenkarriere musste der gebürtige New Yorker immer wieder unterbrechen, schmerzhafter Tribut an die Folgen einer Verletzung des rechten Daumens vor mehr als 20 Jahren. Seit Jüngerem dirigiert er auch, in der Alten Oper nach der Pause Joseph Haydns Sinfonie Nr. 101 D-Dur („Die Uhr“). Routiniert und unprätentiös, aber auch exakt wirkt sein Dirigierstil, unerhört aufmerksam ebenfalls: Wenn er im langsamen Satz die „tickende“ Streicherbegleitung, der die Sinfonie ihren Beinamen verdankt, so weit abschattiert, dass sogar ein leises Flöten-Solo Kontur gewinnt, erinnert das an die Wachheit seines Klavierspiels.

Anknüpfen konnte Perahia, erster Gastdirigent der Academy, an deren jahrzehntelange Prägung durch Gründer Neville Marriner, der den schlanken, hellen und eleganten Klang des Ensembles geprägt hat. In einer höchst lieblichen, von Konzertmeister Kenneth Sillito koordinierten Ouvertüre des Beethoven-Schülers Ferdinand Ries („Liska oder die Hexe von Gyllensteen“) hatte das Publikum sich davon bereits zu Beginn überzeugen können; die Zugabe war das Finale aus Haydns Sinfonie Nr. 92.

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