Nachwuchs im Blick

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Der Schwede Örjan Fahlström geht in seine dritte Saison als Chefdirigent der hr-Bigband.

Die Berliner Philharmoniker unter Sir Simon Rattle haben es mit ihrem zu Film-Ehren gekommenen „Rhythm is it“ vorgemacht. Jetzt gibt es auch in Frankfurt ein Tanzprojekt unter Beteiligung der hr-Bigband und des im Mousonturm angesiedelten „Tanzlabor_21“. Von Carsten Müller

Unter dem Titel „And so what – Tanz in Schulen“ erarbeiten 60 Laien zwischen 14 und 18 Jahren mit professionellen Tänzern und Musikern ein abendfüllendes Programm zu Auszügen aus den hr-Bigband-Produktionen „PucciniJazz“ und „Visions of Miles“. Premiere ist am 25. September.

Auch sonst hat das Jazzorchester des Hessischen Rundfunks in seinen weit mehr als 50 Konzerte umfassenden Saison-Planungen den Nachwuchs im Blick. Etwa bei den „Schultouren“, die das Ensemble nach Frankfurt, Gießen und Fulda führen, oder beim „Freundschaftsspiel“, mit den herausragenden jungen Talenten des Hessischen Schul-Bigband-Wettbewerbs. Neu ist die Möglichkeit zum „Soundcheck“, dem stark ermäßigten Besuch eines Konzerts und der Gelegenheit zum Gespräch mit den Musikern. Eine neue Kooperationen mit Popkünstlern wird es bei hr3@night geben. Zielgruppengerecht sind die Konzerte „Pippi, Karlsson und Co.“ mit Musik aus Verfilmungen von Astrid Lindgrens Kinderbüchern, dirigiert von einem waschechten Schweden: Örjan Fahlström geht mittlerweile in seine dritte Saison als Chefdirigent.

In dieser will der Skandinavier unter anderem vokale Akzente setzen. Er schätze die Arbeit mit Gesangssolisten und ihre spezielle Ausdrucksform, sagt Fahlström, der sich glücklich schätzt, die zwischen Jazz und Pop wandelnde Dänin Caecilie Norby für ein Gastspiel gewonnen zu haben. Als eine der renommiertesten Stimmen Brasiliens gilt Luciana Souza, unlängst mit Herbie Hancock im Studio, die sich erstmals mit Bigband-Arrangements befasst. Die Leitung hat Jim McNeely, dessen Vertrag als „Artist in Residence“ am Dornbusch verlängert wurde.

Früchte trägt die Zusammenarbeit mit dem renommierten Bigband-Arrangeur auch in der zweiten Auflage des Konzertabends „Poems, Stories and Plays“. McNeely soll gleichfalls dem New Yorker Klaviertrio The Bad Plus einen passenden orchestralen Rahmen verschaffen – falls das überhaupt möglich sein sollte, gelten die New Yorker doch als halsbrecherische Grenzgänger, die in ihrem Repertoire von Abba bis Nirvana brachialen Rock mit Jazz-Raffinesse kreuzen.

Eine klingende Hommage an die Jazzmetropole ist beim Frankfurter Gipfeltreffen im Mai 2011 zu erwarten. Dort kreuzen sich die Wege von Ausnahmesolisten wie Saxofonist Heinz Sauer, Bassist Günter Lenz, Pianist Ralf Hübner und Saxofonist Christof Lauer. Gespannt darf man auf Fahlströms Saxofonkonzert sein, das er für Lauer geschrieben hat. Es beschäftigt sich mit dem „speziellen Klang des Nordlichts“.

Die Saisonbroschüre gibt’s beim hr-Ticketcenter: Telefon: 069 155-2000

Trotz rückläufiger Gebühreneinnahmen und zaghafter Sponsoren ist der Etat des 41. Deutschen Jazzfestivals am 28. Oktober gesichert, bei dem sich die hr-Bigband unter der Leitung von Steffen Schorn mit einem Solistenensemble aus der Mongolei auf weltmusikalische Pfade begibt. Auch als Archäologen betätigt man sich: Eric Dol phy und seiner Musik am atonalen Rand von Bebop und Free Jazz ist der zweite Beitrag zum Jazzfestival gewidmet, für den die japanische Pianistin Aki Takase und Bassklarinettist Rudi Mahall verpflichtet wurden. Sie gelten als herausragende Interpreten der Musik des 1964 verstorbenen Dol phy, die Jim McNeely arrangiert.

„Offenheit, Flexibilität und Fantasie“ sind Stärken des qualitativ gut besetzten Ensembles, wie Managerin Andrea Zietschmann lobt. Dass die Rundfunk-Jazzer geschätzt werden, belegen nicht nur Einladungen zum Berliner Jazzfest und zum Rheingau Musik Festival.

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