Nächtlicher Klangzauber

Bestens aufgelegt und perfekt abgestimmt präsentierten sich Sina Oskedra (Sopran) und Johanna Krell (Mezzosopran) beim Nachtkonzert in der Rumpenheimer Schlosskirche, am Klavier begleitet von Rozana Weidmann.  Von Reinhold Gries

Am Anfang der wirkungsvollen Programm-Dramaturgie standen lyrische Verfeinerung und dramatische Steigerung des klassischen Lieds. Sehr sangbar die beiden Duette „Gruß“ und „Lieder der Zugvögel“ aus Felix Mendelssohn Bartholdys Opus 63, gerade weil herrliche verwobene Soprankantilenen nicht eindimensional mit dem Klavierpart verzahnt waren.

Für Bravos und prasselnden Beifall sorgte ein schmissiger Operetten-Block von hoher Unterhaltungsqualität. Die Sopranistinnen aus Offenbach und Frankfurt bauten Franz von Suppés Schmonzette „Florenz hat schöne Frauen“ aus dem „Boccaccio“ zum hinreißenden Stimmduell auf. Bei Johanna Krells süffiger Orlowsky-Arie aus der „Fledermaus“ von Johann Strauß Sohn schien Anneliese Rothenberger um die Ecke zu schauen, inklusive gekonnter Hickser und Hüftschwünge. Glamourös Sina Oskedras Solo „Strahlender Mond“ aus Eduard Künnekes „Vetter aus Dingsda“.

Franz Lehárs Operetten-Schlager „Meine Lippen, sie küssen so heiß“ sorgte mit zündenden spanischen Rhythmen für Begeisterung. Oskedra schien bei „I Feel Pretty“ aus Leonard Bernsteins „West Side Story“ fast durch den Chorraum zu schweben. Weidmanns Spiel pulsierte dazu in bester Musical-Manier. Ebenfalls nicht zur leichten Muse zählte der kompliziert fugierte „Abendsegen“ des Richard-Wagner-Assistenten Engelbert Humperdinck.

Heftig erklatschte Zugaben brachten ein stimmiges Finale: Jacques Offenbachs schwungvolle Barcarole aus „Hoffmanns Erzählungen“ und das rührend unverkrampft dargebotene „Reich mir zum Abschied noch einmal die Hände. Good night, good night“.

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