MissinCats Solo im Offenbacher Hafen2

Naivität als geschickte Tarnung

Offenbach - Ganze sechs Euro für einen Film und zwei Bands, weniger als für eine ganz gewöhnliche Kinokarte also – das ist ein Subdiscountpreis. Von Stefan Michalzik

Die Freiluftverheißung indes konnte zur Eröffnung der vom Offenbacher Hafen 2 ausgerichteten Openair-Kinosaison mit Sofia Coppolas Meisterwerk „Somewhere“ ob des launischen Wetters nicht erfüllt werden: Die Sonne schien am Abend zwar wieder, des vorhergehenden Gewitters wegen aber hatten die Veranstalter die Konzerte für den Klub und den Film für die Halle disponiert.

Dem Vater ist „Back on my Feet“, das vor drei Jahren veröffentlichte Debütalbum gewidmet, und auch sonst wirkt alles recht herzig an MissinCat. Man sollte sich aber bloß nicht täuschen Lassen: So mädchenhaft die Stimme der hinter diesem Signum steckenden Caterina Barbieri sich auch präsentieren mag, es handelt sich um eine ausgefuchste Musikerin, und eine selbstbewusste junge Frau. Naivität als Strategie.

Die in Berlin lebende, ihre Songs meist in englisch, einmal auch in ihrer Heimatsprache singende Italienerin hatte ihre Band zuhause gelassen. Auf den Alben, ihr jüngst erschienenes zweites trägt den Titel „Wow“, verbreitet Caterina Barbieri eine Wohnzimmer-Atmosphäre. Die Begleitung ist karg arrangiert, mit Instrumenten wie dem Banjo, Cello, Tuba, Melodica und Mellotron oder der singenden Säge.

Die Musik wurzelt im Folk. Der swingende Groove bleibt auch in der Solofassung mit nichts als der akustischen Gitarre prägend. Eine Melancholikerin im klassischen Sinne ist die schmächtige, mit ihren blondierten langen Haaren und dem streng geschnittenen Pony so gar nicht italienisch wirkende Caterina Barbieri nicht. Verletzlichkeit lässt sie aber zu, ihre Bodenhaftung geht darüber nicht verloren. Die Solopräsentation ruft allerdings ungeachtet des Charmes der Sache auf die Dauer einen Eindruck von Einförmigkeit hervor. Diese Songs der hochtalentierten Musikerin bedürfen offenkundig eben doch eines gewissen instrumentalen Rahmens.

Eine lange Nacht sollte das werden. Anschließend an die Filmvorstellung spielten schließlich noch Spherical auf. Die mit Bläsern besetzte Hamburger Band um die Sängerin Claudia Valtierra und den Produzenten Oliver Fischer überträgt das pophistorische Erbe von Soul und Funk in einen neuen, auf elektronischen Beats, Triphop & Co. und Jazzfermentierungen basierenden Zusammenhang.

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