Im Namen der Liebe

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Die ersten zehn Minuten befürchten wohl alle 4 200 Fans, dass Whitney Houstons Auftritt in der Frankfurter Festhalle wie neulich in Berlin, als sie ins Mikro rülpste, zur Freakshow ausartet.

Frankfurt - Der Schweiß rinnt unaufhörlich. Whitney Houston tupft und tupft, dreht sich kurz um und pudert ihre Nase nach. Und das schon bei Lied zwei. Dann keucht und hustet sie kurzatmig in ihrer Glitzerleggings und der langen Bluse, die den dicken Bauch und die Speckröllchen unter den Armen nicht versteckt. Von Kathrin Rosendorff

Irgendwie erinnert ihr aufgedunsenes Gesicht an den späten Elvis. Für den war Houstons Mutter Cindy Background-Sängerin. Die Soul-Diva sieht fertig aus. Die ersten zehn Minuten befürchten wohl alle 4 200 Fans, dass Whitney Houstons Auftritt in der Frankfurter Festhalle wie neulich in Berlin, als sie ins Mikro rülpste, zur Freakshow ausartet. Doch die Sängerin reißt sich bei „For The Lovers“ zusammen und kämpft gegen ihre Schwäche an. Ihre Fans unterstützen sie. Zwei Stunden lang rufen sie immer wieder: „Whitney, we love you!“ Und stehen schon beim ersten länger gehaltenen Ton wie in „I Look To You“ von ihren Sitzen auf.

„Nothing but love“ heißt Houstons Tour. Die 46-Jährige zeigt, dass weder ihr Ex-Mann Bobby Brown noch die Drogen sie selbst oder ihre unglaubliche Stimme ganz kaputt gekriegt haben. „Ihr wisst nicht, welche Hoffnung, Liebe und Glaube ich fühle, wenn ich singe“, nuschelt sie ins weiße Mikro. „Whitney Houston“ hieß ihr erstes Album und war noch auf Vinyl gepresst. Das orangefarbene Cover zeigte eine zarte, bildschöne Frau mit zurückgekämmten Haaren und schulterfreiem Kleid. Wenn sie lacht, erinnert sie noch heute an die junge, sexy Whitney.

Das Sexy-Sein überlässt sie an diesem Abend ihren schnieken Tänzern. Die Houston rennt lieber von Bühnenrand zu Bühnenrand und winkt. Nicht nur Ü-40-Pärchen haben sich Karten zwischen 64 und 114 Euro gegönnt. Auch Teenager-Mädchen und eine große Schwulen-Gemeinde feiern „ihre“ Whitney. „Sie hat ja wieder so geile Schuhe an“, ruft einer, zeigt auf die High Heels und hüpft vor Freude. Aber auch Houstons Stimme berührt: Unplugged singt sie „Song For You“. Das Stück ist Michael Jackson gewidmet, dessen Silhouette auf der Leinwand erscheint. „Wir haben viel telefoniert. Viele nannten ihn den King of Pop. Ich nannte ihn Michael und er mich Whitney.“ Stille im Saal.

Es folgen Balladen wie „Saving All My Love“ und „I Learned From The Best“. Dann beginnt sie ihr bekanntestes Lied „I Will Always Love You“, bricht es jedoch gleich wieder ab. „Bitte, Whitney, probier’s doch“, ruft ein junger Mann aufmunternd. Aber sie wagt es nicht, geht über zu „Didn‘t Know My Strength“. „Bei den letzten Konzerten hat sie bei dem Lied versagt“, weiß ein blonder Fan. Doch die Sängerin macht es wieder gut – mit Hilfe der Fans. Bei „Dance With Somebody“ und „How Will I Know“ tanzen diese in den Gängen und vor der Bühne. Gerührt fasst sie sich ans Herz. So viel Liebe hat Whitney Houston nicht erwartet.

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