Sophie Karthäuser

Natürlich und abgeklärt im Liedvortrag

Als Pamina in der „Zauberflöte“ stellte sich Sophie Karthäuser in der Oper Frankfurt erstmals vor. Zehn Jahre ist das her, zwischenzeitlich ist die Sopranistin besonders in Frankreich gefragt. So erwies sie in der zweiten Hälfte ihres Frankfurter Liederabends mit Werken von Gabriel Fauré und Claude Debussy dem französischen Repertoire ihre Reverenz – blieb zunächst aber Mozart treu.

„Als Luise die Briefe ihres ungetreuen Liebhabers verbrannte“: Vom ersten Mozart-Lied an faszinierte Karthäusers, sensibler Umgang mit Artikulation, Sprachnuancen, Ausdruck, als sie der schrulligen Beschwörung des früher Besseren im Monolog der „Alten“ KV 517 Gestalt gab, ohne verzerrende Übertreibung, nur mit einer leicht ins Nasale wirkenden Verfärbung ihres Timbres. Der Lebensglücksgesang in Mozarts „Kleiner deutscher Kantate“ KV 619 klang keine Spur pathetisch, sondern natürlich, abgeklärt, leise hymnisch. Piano-Partner Cédric Tiber ghien gestaltete delikat mit, auch in den Preziosen italienischsprachiger Schubert-Lieder, erst recht in dessen Goethe-Vertonung „Gretchen am Spinnrad“, in fließender Bewegung mehr leise treibend als monoton untermalend.

Vorzüglich gelangen Karthäuser dank technisch exzellenter Stimmführung die feinen Andeutungen, Zwischentöne und knappen Pointierungen in drei Liedern aus Hugo Wolfs „Spanischem Liederbuch“. Ihre Kunst der schwerelosen und doch wortgenauen Gestaltung veredelte die Interpretation von Faurés „Mélodies de Venise“: Die eingangs des zweiten Lieds poetisch besungene „Ruhe im Halbschatten“ etwa formte sie als berückendes Tonbild, klar, konzentriert und tief in sich ruhend.

Diese Kunst, noch knappste Stimmungsskizzen glaubhaft und atmosphärisch dicht auszuprägen, trug Pianist Tiber ghien in der Begleitung von sechs Debussy-Liedern weich, jedoch konturiert gezeichnet mit. Zugaben dieses leisen, großen Abends waren zwei Lieder von Francis Poulenc. AXEL ZIBULSKI

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