Reichtumg und Glanz

Naturally 7 feiern im Capitol Fest der Stimmen

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Eine „Band ohne Band“: In der New Yorker A-cappella-Formation ist jeder Mitwirkende zugleich Sänger und Instrument.

Offenbach - Ein wuchtiger Sound, aber wo ist die Band? Sieben Musiker stehen auf der Capitol-Bühne. Instrumente sind deutlich zu hören. Nur sehen kann man sie nicht. Naturally 7 erzeugen alle Töne allein mit der Stimme. Von Anke Steinfadt

Gitarre, Bass, Trompete, Schlagzeug – alles was eine Band braucht. Und noch einiges mehr. Um zu beweisen, dass alles mit rechten Dingen zugeht, werden die menschlichen Instrumente zu Beginn der Show demonstrativ „ein- und ausgeschaltet“. Beim „Gitarren“-Solo traut man seinen Ohren kaum. Und auch beim Scratching an imaginären Plattentellern ist die Illusion perfekt.

Jeder ist Mehrfachinstrument und hervorragender Sänger zugleich. Charakterköpfe allesamt, die das Publikum zum neunzigminütigen Dauerlächeln animieren. Genauso umwerfend wie die Tatsache, dass die Herren aus New York mühelos die Illusion einer Band simulieren, ist das musikalische Programm. Es beinhaltet eigene Stücke und charakteristisch bearbeitete Coverversionen. Diese reichen vom Spiritual-Klassiker „Joshua Fought The Battle Of Jericho“ über Stings „Englishman In New York“ bis „Rockit“ von Herbie Hancock. Bei einem puren Gesangteil ohne Mikrofone ist die leise Spannung im Saal so groß, dass man einen Plasikbecher umfallen hört.

Singen, Klatschen, sogar Hüpfen ist angesagt

Ob Ballade oder Disko-Feger: Die Fans gehen jede Minute mit, applaudieren stürmisch und müssen sich beim „Yeah, Yeah“-Skandieren gar nicht erst warmlaufen. Singen, Klatschen, sogar Hüpfen ist angesagt, und dabei wirkt das Ganze kein bisschen bemüht. Tanzen geht sowieso wie von selbst, besonders wenn guter alter 80er-Jahre-Funk los scheppert. Es ist ein rauschendes Fest, das Publikum und Musiker gemeinsam feiern. Umso ausgelassener wohl, da Offenbach letzte Station in Deutschland ist.

Vor 14 Jahren hat sich die A-cappella-Truppe gegründet. In Deutschland erlangte „die Band ohne Band“, so der Spitzname von Naturally 7, 2003 Bekanntheit durch das mit Sarah Connor produzierte „Music Is The Key“. Mit Xavier Naidoo arbeiteten sie für den Titelsong eines Kinofilms zusammen. Den bislang größten Erfolg feierte die Formation mit „(Feel It) In The Air Tonight“, Vocal-Version des Phil-Collins-Hits von 1981.

Blueslady Jemm Cooke singt zum Abschluss

Zum Abschluss des Konzerts kommt noch einmal die Blues-Sängerin Jem Cooke, die im Vorprogramm bereits die Herzen erwärmte, als achte Stimmgewalt mit auf die Bühne. Ein Abend, der den Reichtum des menschlichen Organs in neuem Glanz erstrahlen lässt.

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