Neo Magazin Royale

Böhmermann zieht die AfD am Nasenring durch die Manege

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Böhmermann will für die SPD kandidieren - oder auch nicht.

„Neo Magazin Royale“: Bei der ersten Ausgabe nach der Sommerpause präsentiert sich Jan Böhmermann als Kandidat für den SPD-Vorsitz. Und zeigt sich parteiisch.

Es ist nicht das geringste Talent des Jan Böhmermann, dass er keine Hemmungen hat, Scherz, Satire, Ironie und ernste Bedeutung zu mischen, so dass oft ein kleiner Moment der Unsicherheit beim Publikum entstehen mag: Wie hat er das jetzt gemeint? Im Zweifelsfall: als Witz. 

#Neustart 19

Deswegen seien die Sozialdemokrat*innen gewarnt, die sich jetzt anheischig machen, dem blassen Jungen ein Parteibuch und fünf Unterbezirke zu verschaffen und ihre Co-Kandidatur anzutragen, damit er sich für den SPD-Vorsitz bewerben kann: Seine Rede aus Anlass der Verkündung, er wolle SPD-Chef werden, dürfte so ganz ernst nicht gemeint sein – auch wenn sein #Neustart 19 um Mitternacht schon knapp 4000 Tweets hatte. 

Denn er hat es sich gestern bei seiner ersten Sendung nach der Sommerpause schon mit einigen Genossen verscherzt, indem er sich über ihre Kandidaten-Porträts lustig machte: Die Konterfeis des Duos Ralf Stegner und Gesine Schwan etwa kommentierte er mit: „Das ist jetzt nicht das Vorher-Nachher-Bild.“ 

Landtagswahl in Sachsen und Brandenburg war Thema

Selbstredend war die kommende Landtagswahl in Sachsen und Brandenburg* das Thema, und wer glaubte, die Spötteleien über den kaum vorhandenen Bekanntheitsgrad von Ingo Senftleben (CDU) und Dietmar Woidke (SPD) seien es schon, der sah sich getäuscht: Böhmermann kann eben auch anders. Und so führte er die AfD am Nasenring durch die Manege, mit einem Sidekick, der darauf zu achten hatte, dass er nicht ausfällig wurde: So baut man Erfahrungen mit der Justiz (im Falle Erdogan)* als Gag ein. 

Denn der Moderator nahm sich explizit heraus, parteiisch zu sein – gegen die AfD, und kommentierte so zugleich die fatale Neigung von zahlreichen Medienvertretern zu „Ausgewogenheit“ auch den Chauvinisten von der AfD gegenüber. So musste ja der MDR jüngst die Einladung an einen Neonazi zu einer Podiumsdiskussion nach Protesten zurückziehen. 

Böhmermann parteiisch - gegen die AfD

Also zählte Böhmermann nach einem Hinweis auf die „sehr gute Partei AfD“ einige der schlimmsten Entgleisungen und Unsäglichkeiten der Nazi-Freunde auf, und zwar „nur Fakten“. Sein Publikum muss vermutlich nicht überzeugt werden, die Rechtsextremen nicht zu wählen, aber die rassistischen Aussagen der Führungsclique um Gauland und Weidel in Erinnerung zu rufen, scheint allemal geboten. Unter anderem erwähnte er den gefälschten Lebenslauf der Parteigröße Andreas Kalbitz, der darin ein Studium aufgeführt hatte, aber die Lüge zugeben musste und sich tatsächlich damit herausredete, er „habe aber mit einer Professorin gesprochen“. 

Und Kalbitz, bekannt für seine engen Verbindungen zu Neonazis*, war es auch, der die Formel „Masseneinwanderung ist Messereinwanderung“ benutzt hatte. Aus den von seinem Team recherchierten vorgelegten Fakten schloss Böhmermann als Fazit: „Die Kernkompetenz der AfD ist Volksverhetzung.“ Das Öffentlich-rechtliche Fernsehen kann eben auch richtig Flagge zeigen gegen die rechtsextremen Brandstifter. Jan Böhmermann macht es vor im Gewand des Comedian, der keine Angst vor tieferer Bedeutung hat. 

„Neo Magazin Royale“, ZDF, Freitag, 30. August, 23.55 Uhr. Informationen im Netz

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