Neue Luft in Offenbach geschöpft

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Die Deutsch-Perserin Kaye-Ree will ihr Album mit Sponsorengeldern finanzieren, die sie im Internet einwirbt.

Offenbach - Offenbach, Christian-Pleß-Straße, in der Nähe des Hauptbahnhofs. Draußen der Ziegelwandcharme eines Fabrikgeländes, drinnen flexibel gestaltete Gewerbeflächen, Büros, ein Akido-Zentrum, ein Fetisch-Club, viele Dienstleister, Designer, Werber. Von Detlef Kinsler

Mittendrin in Haus 11 Marco Lehmann. Music production, compositions & sounddesign steht auf seiner Visitenkarte. Ein Tonstudio für gehobene Ansprüche, in dem momentan Kaye-Ree ihr zweites Album aufnimmt. „Von draußen sieht alles eher rough aus, innen ist es schön und superschick, hat eine tolle, angenehme Atmosphäre“, beschreibt die Frankfurter Künstlerin die markant gesetzten Kontraste. Im Studio selbst überrascht das tolle Interieur. „Der Marco hat einfach einen sehr guten Geschmack, viele Möbel von der Galerie Morgen, wo er uns damals beim Sieben-Jahre-Jubiläum entdeckt hat. “.

Die erste Zusammenarbeit zwischen der deutsch-persischen Sängerin, die in Isfahan geboren wurden und im Taunus aufwuchs, und dem Produzenten Marco Lehmann, zu dessen Auftraggebern Siemens, Porsche und Toyota gehören, war die Mercedes-Benz-E-Klasse-Kampagne mit dem Song „Space For Ideas“, die sie sogar auf der IAA vorstellten. Und nachdem sich Kaye-Ree von ihrem alten Label getrennt hat, nimmt sie mit „New Air“ einen kompletten Longplayer in Offenbach auf. „Ich bin ein recht ehrgeiziger Mensch und lasse mich nicht gern aufhalten, daher habe ich mich dazu entschlossen, viele Dinge in Eigenregie zu machen“, erklärt Kaye-Ree ihren Abnabelungsprozess vom alten Team.

Authentisch und echt bleiben

Mit dem entstand 2009 das viel beachtete Debüt „Endless Melody“. Aber der angepeilte kommerzielle Durchbruch ließ sich nicht realisieren. „In den letzten Jahren habe ich viel gelernt und weiß, was ich will, und vor allem, was ich nicht will: Ich möchte gern meine Musik international verbreiten, dabei weiter authentisch und echt bleiben.“

Zu Felix Justen, ihrem langjährigen Gitarristen und Komponisten, stieß zuletzt der afghanische Tablaspieler Kio Nawab. In dieser Triobesetzung reift die Idee einer Acoustic Soul Music, die sich weniger an den Rihannas und Beyoncés der Welt orientiert, umso mehr an der leisen Intensität von Kolleginnen wie Sade, Des’ree, India Arie und Erykah Badu.

Finanzierung durch Internetplattform

In dieser Konkurrenz bestehen zu können, bedeutet qualitativ hochwertige Aufnahmen abzuliefern. Und die kosten Geld, das die Musiker allein nicht aufbringen können. „Unser neues Management hatte diese tolle Idee mit www.kickstarter.com“, schwärmt Kaye-Ree. Solche Finanzierungsplattformen für kreative Projekte im Internet sind in den USA längst gang und gäbe, hierzulande eher Neuland. „Immerhin haben wir 53 Leute, die sich trauen, eine unabhängige Künstlerin wie mich zu unterstützen. Es geht ja nicht darum, dass die Leute einfach nur spenden, sondern sie bekommen einen Gegenwert“, verspricht die sympathische Schöne. Noch bis zum 28. März läuft die Aktion.

„Je nach Höhe des Betrags können die Stifter einen Album-Download eine Woche vor der Veröffentlichung, VIP-Tickets für ein Konzert, Gitarren-, Tabla- oder Gesangsstunden bis zum Privatkonzert im eigenen Wohnzimmer oder der Firma innerhalb ganz Deutschlands bekommen“, zählt Kaye-Ree die Palette auf. Ihr nächstes Konzert gibt sie am Donnerstag, 22. März, beim Festival „Women Of The World“ mit der Ivorerin Dobet Gnahoré in der Frankfurter Brotfabrik.

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