Die neue Offenbacher Härte

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Dynamische Songstruktur plus eigenem Stil = Dynyle. Die Nu-Metal Band in voller Besetzung: Pascal Heilmann, Tobias Kleßen, Gerrit Kaminski und Tom Pfefferkorn (von links).

Offenbach - Rock-Konsorten der härteren Gangart dürften bald wieder voll auf ihre Kosten kommen. Denn wer der Meinung ist, der musikalische Härtegrad Offenbachs zeichne sich bisher ganz und gar durch Gangster-Rap aus, der liegt gänzlich falsch. Von Sascha Reichelt

Vier junge Herren holen den Crossover zurück nach Deutschland und kreuzen dabei die Musikrichtungen wie experimentierfreudige Pflanzenzüchter. Die Nu-Metalband „Dynyle“ aus Offenbach kombiniert treibende Riffs und abstrakte Rhythmen, gepaart mit nahezu poetischen Lyrics und lässigen Rap-Einschüben. Am Mittwoch feierten sie die Veröffentlichung ihrer Debüt-Platte namens „Set a Sign“ im „Bett“- dem Frankfurter Szene-Club.

Den freudigen Zuhörer erwarten auf dem frischgepressten Longplayer zwölf satte Songs. Ein Werk aus gerade mal drei Jahren Bandgeschichte. Ihren Anfang nimmt diese 2007: Sänger Gerit zog damals von Bremen ins Rhein-Main-Gebiet und gab sich zunächst etwas enttäuscht über die lokale Metal-Szene.

Halb frustriert bestellte sich der Musiker schließlich eine Djembé, eine Art Trommel, in einem Online-Shop, und stieß beim Umherklicken auf die Kleinanzeigen und letztlich auf Gitarrist Tobias. „Bei Tobis Sound dachte ich mir sofort, das ist genau meine Mucke!“, sagt er. Kurzerhand gesellten sich Pascal am Bass und Tom am Schlagzeug hinzu, in dessen elterlichen Keller seither geprobt wird.

Kombination aus Dynamik und Style

Dynyle, das ist die Kombination aus Dynamik und Style. Dynamisch ging es für die junge Band bisweilen aufwärts. Schweißtreibendes Proben hatte seinen Preis und erreichte seinen bisherigen Höhepunkt, als sie durch die Plattform regioactive.de am „Battle of Metal“-Contest teilnahmen. Aus über 200 Kandidaten schafften sie es in der Vorauswahl unter die letzten zehn Bands per Online-Voting. Ganze Fanscharen eilten den Rockern bis in die Nähe von Saarbrücken zum Live-Contest nach.

Dort machten sie aber letztlich „nur“ den zweiten Platz und der Traum vom begehrten Slot auf dem „Rock Area Festival“ schien geplatzt. Doch sie überzeugten den Veranstalter durch ihre Performance und er versprach ihnen einen Auftritt zusammen mit Größen wie Sepultura und Apocalyptica. Spaß sollte für die Band vorprogrammiert sein. So erinnern sie sich gerne wie Gitarrist Tobias versehentlich in die Backstage-Dusche von Oldie-Metal-Sängerin Doro Pesch stieg, aber allein die Atmosphäre eine ganz Besondere gewesen sei.

Trotz aller Härte legen die vier Musiker Wert auf Harmonie. „Es ist nicht ausschließlich Rumgekreische, für uns zählt vor allem die Melodie!“, sagt der 31-jährige Sänger Gerrit, „wir sind aber keineswegs politisch!“, führt er an. Mit „Set a Sign“ setzt die Band ihr erstes musikalisches Zeichen, das es faustdick hinter den Ohren hat. Fans von „Korn“ oder „System of A Down“ dürften auch hierbei in ihrem Element sein.

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