Fleetwood Mac in der ausverkauften Lanxess Arena Köln

Neue Sanftmut der Streithähne

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Versöhnte Krisengruppe: Stevie Nicks, Mick Fleetwood und Lindsey Buckingham in Köln.

Köln - Diese Eintracht. Und diese Fürsorge. Galant führt Lindsey Buckingham Stevie Nicks an der Hand auf die Bühne der mit 15.000 Besuchern ausverkauften Lanxess Arena in Köln. Von Christian Riethmüller

Die Sängerin wiederum erweist mit einem Knicks ihren Bandkollegen Mick Fleetwood und John McVie die Ehre. Comme il faut, diese Fleetwood Macs, und so gar nicht wie dieser sonstige Rockstar-Pöbel, der sich erst gegenseitig die Drogen und dann die Partner wegnimmt, um sich schließlich an die Gurgel zu gehen.

So soll es ja zugegangen sein im Jahr 1976 als Fleetwood Mac unter dem Einfluss gewaltiger Mengen Kokain und vor dem Hintergrund schwerer Beziehungskrisen jenes legendäre Album aufnahmen, das wie kein anderes Rock und Pop zu vereinen verstand und geradezu emblematisch für den Softrock der 1970er Jahre steht: „Rumours“ - ein Geniestreich für die Ewigkeit und eine der erfolgreichsten Platten aller Zeiten. Deren Hits - „Go Your Own Way“, „Don’t Stop“, „Dreams“, „Second Hand News“, „The Chain“, „Never Going Back Again“ - sind noch immer Eckpfeiler im Live-Programm der englisch-amerikanischen Band, die nach Jahren endlich wieder einmal nach Deutschland gekommen ist und in Köln ihr erstes von drei Konzerten gab.

Mitglieder alle längst über 60

Die Jahre sind nicht ganz spurlos an der Band vorübergegangen, deren Mitglieder alle längst über 60 sind. Mick Fleetwood etwa vertraute bei einigen Songs auf einen zweiten Schlagzeuger im Hintergrund, Lindsey Buckingham krächzte manchmal mehr als er sang und Stevie Nicks verhaute ausgerechnet ihren ersten Solo-Hit „Stand Back“. Doch gerade die in ihren charakteristischen Tüchern wie eine hippieske Elfe wirkende Sängerin sorgte auch für erhebende Momente. Ihr leichtes Kratzen in der Stimme, dieses sanfte Tremolo, ist noch immer geeignet, selbst den stärksten Mann auf die Knie zu zwingen, um ergriffen „Rhiannon“ und „Sara“ zu lauschen oder sich beim Buckingham/Nicks-Duett „Landslide“ verstohlen eine Träne der Rührung aus dem Augenwinkel zu wischen. Die Rührung wich den Freudentränen, wenn Buckingham anfing, auf der Gitarre zu zaubern. Ob bei seinem Solo-Kunststück „Big Love“ auf der akustischen Gitarre oder mit vollem Stromgitarreneinsatz bei der gloriosen Kiffer-Elegie „I’m So Afraid“, immer wieder zeigte der mit den Fingern statt einem Plektrum spielende Buckingham, welch famoser Instrumentalist er ist.

Buckinghams prägnantes Spiel trug während des gut zweieinhalbstündigen Konzerts auch über die neuen und deshalb vielen Zuhörern unbekannten Songs im dick geschnürten Hitpaket hinweg. „Sad Angel“ und (das eigentlich uralte) „Without You“, die im April auf einer nur digital bei iTunes erhältlichen EP veröffentlicht wurden, zeigten zudem, dass in der Band durchaus noch Potential für eine gedeihliche Zusammenarbeit steckt, wenn sie weiterhin fürsorglich miteinander umgeht.

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