Neuer Folk mit nostalgischer Note

Offenbach - Der Offenbacher Konzertklub Hafen 2 befindet sich in einer Phase des Übergangs. Bis zur geplanten Eröffnung des neuen Gebäudes am 1. Mai wird noch der einstige Lokschuppen der Hafenbahn genutzt. Von Stefan Michalzik

Der Saal ist mit einer Kunstinstallation belegt, die Musik muss ins Kino ausweichen. Durchaus ein passender Ort für das Konzert mit Stanley Brinks. Die Bestuhlung, einer entspannten Aufmerksamkeit zuträglich, stellt bloß einen der Gründe dar. Die einstige Werkstatt erscheint mit ihrem nostalgischen Charme als eine treffliche Kulisse für Songs, deren hauptsächliches Charakteristikum ein bei aller Wehmut zugleich abgeklärt-distanzierter, gleichsam filmischer Blick auf die Sehnsucht ist.

Es ist eine amerikanische Musik, die Stanley Brinks macht. Seine Biografie ist mit einigen Punkten der schelmischen Vorspiegelungen und Unsicherheiten gespickt. Brinks war der angebliche Bruder André Herman Dune beim angeblich schwedisch/französisch besetzten New Yorker New-American-Folk-Quartett Herman Dune. Wohl im Dissens mit „Bruder“ David Ivar schied André 2006 aus, seither firmiert er als Stanley Brinks. Auf die Frage, ob es sich dabei um seinen echten Namen handelt, hat er mal vieldeutig verschmitzt geantwortet: „Jetzt ist er das.“ Als Geburtsort wird Paris verbreitet, doch der im mittleren Alter befindliche Mann mit Brille, ergrautem Vollbart, Glatze und einem gestreiften Poloshirt mutet nachgerade bilderbuchhaft an wie ein jüdischstämmiger Intellektueller aus New York.

Immer wieder verteilen sich die Musiker

Immer wieder verteilen sich die Musiker – Brinks ist unterwegs mit dem norwegischen Trio The Flying Kaniks und der französischen Sängerin Clemence Freschard – im Raum. Gelegentlich ziehen sie in einer Prozession um die Stuhlreihen. Die Musik wurzelt im Folk. In kargen Arrangements, meist schleppend, begleiten Mandoline, Banjo und Posaune die Stimme. Entweder alle zusammen, oder auch nur einer der Musiker, schon mal mit nichts als einer funky groovenden Triangel. Die Songs öffnen sich zu ausgedehnten Instrumentalpassagen von einer wundersam illuminierten Tristesse. Die Nummern der großartigen Clemence Freschard, auf ihren Einspielungen inszeniert als lässig-coole Popchansons mit viel Charme, schillern in diesem Free-Folk-Zusammenhang reizvoll in anderen Farben.

Stanley Brinks schreibt Lieder, die man mit der Bierflasche in der Hand vortragen kann. Gern darf auch mal das Publikum mitsingen. Hinter alledem steht ein durchtriebenes Spiel mit romantischem Ideengut, ohne Naivität und Peinlichkeit.

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