Makellose Balance der Klänge

Frankfurt - An der Spitze der New York Philharmonic ist Alan Gilbert tatsächlich der erste New Yorker. Und, gemessen an seinen unmittelbaren Amtsvorgängern, ein richtig junger Musikdirektor. Von Axel Zibulski

Vor ihm boten Kurt Masur und Lorin Maazel zwar glanzvolle Namen, aber nicht eben frische Impulse. Gilbert hingegen dirigiert mit seinen 44 Jahren sogar noch die eigene Mutter, die in dem berühmten Orchester bei den ersten Violinen spielt. Sie war auch am zweiten Abend des New Yorker Gastspiels in der Alten Oper Frankfurt dabei. Als Solist wirkte der chinesische Starpianist Lang Lang mit. Zu hören gab es ausschließlich Musik des 20. Jahrhunderts: Magnus Lindbergs knallbunt orchestriertes, wuseliges Stück „Feria“ aus dem Jahr 1997 etwa, von spanischen Volksfesten inspiriert und ein Griff in die Repertoire-Kiste des 1958 geborenen Finnen, der derzeit „composer in residence“ bei den New Yorkern ist.

Im Anschluss klangen die perkussiven Spitzen von Béla Bartóks Klavierkonzert Nr. 2 beinahe mild. Daran hatte allerdings auch Lang Langs gemäßigte, in den langsamen Abschnitten des Mittelsatzes schön versonnene Musizierhaltung ihren Anteil. Der 29-jährige Chinese spielte Bartóks Konzert hellwach und dank seiner frappierenden Technik trotz einiger Blicke in die Noten technisch brillant. Im Rücken hatte er dabei die hier vollständig auf der linken Podiumsseite platzierten New Yorker Bläser – ein Trennschärfe und Antrieb garantierender Klang-Coup Alan Gilberts in der Interpretation des Bartók-Konzerts.

Fürs Kraftvoll-Kulinarische sorgte zum Abschluss des zweitägigen Gastspiels die Aufführung von Sergej Prokofjews 1944 entstandener Sinfonie Nr. 5 B-Dur op. 100. Sogar in ihren mächtigen Fortissimo-Gipfeln entfaltete sie sich ganz rein, transparent und war von jener makellosen Klang-Balance veredelt, die noch einmal die Weltklasse des Orchesters unterstrich.

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