Nicht alle zieht‘s nach Oslo

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Bis ins Finale der Casting-Show „Unser Star für Oslo“ hat Leon Taylor es leider nicht geschafft. Die Zuneigung nicht nur der Dietzenbacher Fans hat er dennoch sicher. Er will sich auch weiterhin für die musikalische Szene der Region stark machen.

Offenbach - Die Würfel sind gefallen. Besser gesagt, die Zuschauer haben entschieden. Die 18-jährige Abiturientin Lena Meyer-Landrut wird mit dem Song „Satellite“ am 29. Mai als deutscher Vertreter beim „Eurovision Song Contest“ in Norwegen antreten. Von Sascha Reichelt

Doch wozu in die Ferne schweifen, wenn das Gute doch so nahe liegen kann– gilt zumindest für drei Kandidaten aus dem Hessischen: Leon Taylor aus Dietzenbach, Christian Durstewitz aus Altenlotheim und Jennifer Braun aus Eltville. Alle drei Hessen kämpften in Stefan Raabs Castingsendung „Unser Star für Oslo“ um den Titel.

„Lebbe geht weider“ denken sich die drei. Der 26-jährige Berufsmusiker Leon Taylor aus Dietzenbach schaffte es unter die letzten sechs. Gelassen nahm er sein doch recht unerwartetes Ausscheiden und zog sich in sein Kämmerlein zurück, um weiter Songs zu schreiben. „Es waren einfach so viele Eindrücke, die ich gerne in Musik verarbeiten wollte“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung.

Doch von bloßem „Chillout“ keine Spur. Denn auf seinem Terminkalender standen unter anderem Aufnahmetermine im Studio an, sowie ein Treffen mit dem Bürgermeister seiner Heimatkommune, Jürgen Rogg, der begeistert ist von Taylors positiver Wirkungsgrad auf das Image der Stadt Dietzenbach.

Christian Durstewitz genoss zwar den Aufenthalt in Köln - er hält die Dommetropole für „die geilste Stadt der Welt“ – doch kehrte auch „Dursti“ mit Freude in sein Dorf Altenlotheim zurück.

Bei einem lockeren Kennenlernen im Lokal „Hügeleck“ unterhielten sich der Politiker und der Musiker über die Ausbaufähigkeit des Dietzenbacher Musikangebotes. „Frankfurt war früher mal die Hauptstadt der Musik in Deutschland!“, sagt der 26-Jährige. „Ich denke aber auch an Gruppen wie Glashaus oder die Rodgau Monotones. Es gibt einfach sehr viele Produkte aus Hessen, die weit über die Grenzen der Länder hinaus bekannt sind.“

Bereits in der Vergangenheit engagierte sich der Musiker in verschiedenen sozialen Projekten und leitete zudem mehrere kleine Hip-Hop-Bands. „Man braucht für die Musik heutzutage gar nicht mehr mal mehr so viel Equipment. Ich hab den Kids gezeigt, wie man einen Song aufnimmt, und irgendwann waren sie völlig autonom.“ So möchte sich der Dietzenbacher Musiker auch am geplanten Bildungshaus in seiner Heimatstadt aktiv beteiligen und für „mehr Musik aus der Region“ sorgen.

Christian Durstewitz genoss zwar den Aufenthalt in Köln - er hält die Dommetropole für „die geilste Stadt der Welt“ – doch kehrte auch „Dursti“ mit Freude in sein Dorf Altenlotheim zurück: „Man ist hier einfach super gelegen. Zumindest was den Anschluss zur Natur betrifft!“ Seine Ruhepausen gönnt sich der Musiker nämlich gerne im nahegelegenen Nationalpark Kellerwald. Hier kommen ihm auch seine besten Ideen.

Auch für die 18-jährige Finalistin Jennifer Braun ist der Traum vom „Eurovision Song Contest“ nunmehr geplatzt– und ebenso für ihre Heimatstadt Eltville.

Oft wandert der 21-Jährige im Sommer mit seiner Gitarre umher und schreibt Lieder. Schien sein Stil den Dorfbewohnern vorher noch etwas sonderbar, so gilt er nun längst als „Held der Nation“. Durstewitz: „Das Bild hat sich tatsächlich ziemlich gewandelt. In der Zeit davor pflegte ich eigentlich keinen großen Kontakt zu Altenlotheim. Jetzt gelte ich als Vorzeige-Altenlotheimer“. Sogar Björn Brede, künftiger Bürgermeister der nahe gelegenen Stadt Frankenau, erschien zum Public Viewing und rief mehrmals für Durstewitz an.

Auf der Webseite Altenlotheims war eine große Danksagung zu sehen, samt Foto vom Empfang– selbstverständlich ganz feierlich im Cabriolet. Doch kann weder Ruhm, noch Idylle den alternativen Rocker lange an einen Fleck fest binden. Ab April wird „Dursti“ auf Tour gehen. Danach will er sein erstes Album aufnehmen.

Auch für die 18-jährige Finalistin Jennifer Braun ist der Traum vom „Eurovision Song Contest“ nunmehr geplatzt– und ebenso für ihre Heimatstadt Eltville. „Ein wenig enttäuscht, aber auch stolz“– von diesen gemischten Gefühlen spricht Bürgermeister Patrick Kunkel.

Hype wie den um Lena seit Jahren nicht erlebt

Und auch nach dem verlorenen Finale stehen ihre Fans hinter ihr. Manche haben über zehn Mal angerufen. „Jenny hätte es echt verdient“, sagte ein Fan. Auch der seit langem erfolglose Grand-Prix-Veteran Ralph Siegel meldete sich zu Wort. „Jennifer hat die bessere Stimme – sie hat schon viel Bühnenerfahrung und macht das sehr professionell“, sagte der 67-jährige Musikproduzent in einem Interview der Berliner Boulevardzeitung „B.Z“. Doch solch einen Hype wie momentan um Lena habe er seit Jahren nicht mehr erlebt.

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