Silly im Capitol umjubelt

Nicht anders sind wir

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Die mit dem Mikroständer tanzt: Silly-Sängerin Anna Loos hat auch ihre Stimme, die Band und das Publikum im Griff.

Offenbach - Der Offenbacher schätzt es, wenn eine Band weiß, wo sie ist. Das allererste Mal im Capitol, zeigt sich Silly-Sängerin Anna Loos eingangs „sehr verzaubert von dieser Lokalität“. Und ausgangs gibt sie ihr Wort: „Wir kommen wieder, das ist versprochen!“. Von Markus Terharn

„So und nicht anders, nicht anders sind wir“ – diese Zeile ist Programm. Silly, gegründet 1978 in der DDR, als die jüngeren Zuhörer im drei Generationen umfassenden Publikum noch nicht geboren waren, sind sich treu geblieben. Lange vor dem Mauerfall (1989) auch im Westen erfolgreich, nach dem Tod von Tamara Danz (1996) ungebrochen populär, seit 2006 mit Loos am Mikro, präsentiert sich das Kult-Septett heute als quicklebendige Legende.

Obiges Zitat aus „Blinder Passagier“ stammt noch von Danz. Nach diesem dritten Stück des Abends ertönt der erste „Zugabe“-Ruf. „Sehr gutes Zeichen, Offenbach“, ruft Loos. Und entledigt sich der schicken Lederjacke, um, in schwarzem Top und ebensolcher Hose umwerfend anzusehen, vorwiegend eigene Texte zu präsentieren. Nur einige sind von Werner Karma, dessen poetisches Können die früheren Hits prägte.

Auf dem aktuellen Album „Kopf an Kopf“ dominieren einfach-eingängige Worte. Das passt zur Musik von Ritchie Barton und Uwe Hassbecker, die in bewährter Weise Rock-Härte mit Ohrwurm-Eingängigkeit verbindet. Alles lässt sich sofort mitträllern. Zumal Loos’ Stimme sogar in satten Klanggewittern heraussticht, hell in der Höhe und timbriert in der Tiefe. Und weil dank klarer Artikulation der auch als Schauspielerin Vielbeschäftigten jede Silbe zu verstehen ist.

Breit ist das Spektrum der Themen. „Wo fang ich an, wie hör ich auf?“ mag als Sinnsuche gelten. Wie ein Gebet wirkt „Asyl im Paradies“. Politisch kommt „Vaterland“ daher, die Band als Trommlerkorps mit Leuchtsticks auf dunkler Bühne. Stets angemessen ist die Show, ohne Mätzchen, nur Licht und toll abgemischter Sound.

Zeit für eine akustische Einlage, einen besinnlichen Mittelteil: „Blutsgeschwister“ erzählt die persönliche Geschichte eines Verlustes. „Bye Bye My Love“ und „Wo bist du?“ erinnern nochmals an die früh verstorbene Danz.

Das krachende Finale leitet „Kopf an Kopf“ ein, aus Piano-Anfängen in Lautstärke und Tempo fulminant gesteigert. Berlin wird besungen. Die Single-Auskopplung „Deine Stärken“ verrät keine Schwächen. Im Wahljahr fordert Loos den Saal auf: „Gib mir deine Stimme, lass sie mich von Weitem hör’n. Schick sie in den Himmel, und du wirst ein Echo spür’n.“ Die Mitsing-Qualitäten sind ausbaufähig, aber das Votum für Anna fällt eindeutig aus.

In der ersten Zugabe dürfen die Jungs rein instrumental die Sau rauslassen. Drei Gäste verstärken die Stammbesetzung um Barton (Keyboard), Hassbecker (Gitarre) und Jäcki Reznicek (Bass). Nie fehlen darf „ein Song, der uns wichtig ist“, so Loos, „Alles rot“ vom gleichnamigen Vorgängeralbum. Und nach dem zarten „Bataillon d’amour“ markiert „Leg mich fest“ das Ende eines schönen Abends. Da hat sich Offenbach längst entschieden – für Silly...

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