Nicht ohne sein Kissen

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Clueso hat sich für sein neues Album „An und für sich“ zwei Monate länger als geplant Zeit genommen. Sein fünftes Album ist rockiger und elektronischer als die Vorgänger.

Es ist erst einfach nicht fertig geworden“, sagt Clueso mit einem Prinz-William-Lächeln. „Die besten Songs fielen mir einfach zum Schluss ein“, erzählt der 30-jährige Singer-Songwriter, der schon seit Jahren als so was wie der Nachfolger Grönemeyers gehandelt wird. Von Kathrin Rosendorff

Auch als seine Vorband durfte er auftreten. Zwei Monate später als angekündigt, erscheint nun Cluesos aktuelles, fünftes Album „An und für sich“ (25. März).

Eigentlich heißt er ja Thomas Hübner. Er hat sich in Anlehnung an Inspektor Clouseou vom „Rosaroten Panther“ benannt, weil seine Freunde fanden, dass er irgendwie so tollpatschig sei wie die Figur. Noten lesen kann er zwar nicht, trotzdem schreibt er seine eigenen Lieder. Cluesos Konzerte sind fast alle ausverkauft, so auch das in der Frankfurter Jahrhunderthalle im April. Aber es gibt noch Tickets für seinen Auftritt beim Hessentag in Oberursel, am 15. Juni. 100 glückliche Gewinner durften vorab das Album hören und Fragen stellen: Bei der „youfm Vorhörung“ auf dem Frankfurter Campus Westend.

Von der Schule gefolgen und Friseurlehre abgebrochen

Die Studi-Mädchen sitzen verliebt auf Kissen vor ihm und erfahren, dass er am liebsten Spaghetti Aioli isst, sich eine Sauna im Studio eingebaut hat, und immer sein Kissen mit auf Tour nimmt. Seine Fan-Shirts lässt Clueso in Portugal „Fair Trade“ herstellen. Er selbst trägt ein weißes T-Shirt unter offenem Jeanshemd, neben ihm sitzt sein Saxofonist Antonio.

Studiert hat Clueso selbst nie. „Ich bin von der Schule geflogen und habe meine Friseurlehre abgebrochen.“ Er sei nicht der politische Typ, aber wenn er sich für etwas einsetzen würde, dann gegen das „hochgradig erkrankte deutsche Schulsystem“: „Ich war ein auffälliger Schüler“, erzählt er. Die Lehrer hätten sein Talent nicht erkannt, hatten keine Lust, sich mit ihm auseinander zu setzen. Zum Glück wusste er, dass er Musik machen will und traf auf den richtigen Produzenten. Dass er nie studiert hat, bereut er nicht. „Studieren sollte man eigentlich zuerst in dem Moment, ab dem man weiß, was man geil findet.“ Es müsste eine Art „Prä-Studium“ geben, in dem man viele Kurse ausprobieren könnte. Überhaupt experimentiert Clueso gerne herum. Auch beim neuen Album.

Groove, Verspieltheit, Lockerheit

„Ich habe kein Problem, die Suche zu präsentieren. Ich habe versucht, mich wieder neu zu erfinden.“ Sein erstes Album „Text und Ton“ (2001) war ein reines Rap-Album. Album Nummer zwei hieß „Gute Musik“ (2004). „Da fehlt mir ein bisschen mehr Band“, beim dritten Album „Weit weg“ (2006) ist die Band zum ersten Mal im Studio. „Da fehlt mir die Lockerheit. Und beim letzten Album ,So sehr dabei' (2008) gibt es zu viel Band, zu wenig Clueso.“ Jetzt habe er versucht, den Groove, den alten Clueso, die Verspieltheit, die Band und die Lockerheit in das neue Album zu bringen. „An und für sich“ sei auch rockiger und elektronischer. „Ich will nicht clubtauglich werden, ich probiere halt nur gerne aus.“ Und er habe die Songs einfach laufen lassen.

So ist auch der reine Instrumental-Teil beim Liebes-Abrechnungslied „Beinah“ „zwölf Takte länger“ und bei „Straßen sind leer“ ist sogar noch mehr „Melodie hinten dran“. „Über Sonne reden finde ich kitschig wie Songs über Regen“, singt er noch bei „Müsste gehen“. Trotzdem heißt das Folge-Lied „Ey der Regen“. „Ich habe diesen Song dreimal aufgenommen, bis wir diese eine Version hatten, die aber dann an einer Stelle plötzlich an die Freundeskreis-Zeile ,Immer wenn es regnet' erinnert hat.“ Aus dem legendärem Lied A-N-N-A. Und weil er und Freundeskreis-Sänger Max Herre gut befreundet sind, singt Herre persönlich ein: „Immer wenn es regnet“, mit dem Zusatz: „Wie ein kleiner Applaus.“ Überhaupt plant Clueso künftig ein paar mehr Projekte mit Herre.

Er schläft bislang nur drei Stunden am Tag

Das Album „An und für sich“ erscheint am 25. März im Handel. Es gibt noch Tickets für sein Konzert beim Hessentag in Oberursel am 15. Juni.

Aber nicht nur mit ihm telefoniert er oft und intensiv. „Tussimäßige“ Ich-rede-über-alles-Gespräche führt er auch mit einem Bandfreund oder dem WG-Mitbewohner. Ob er eine Freundin hat, verrät er nur seinen Freunden. Es ist ihm wichtig, seine Kumpels mit auf Tour zu haben. Seine Tour-Crew besteht ausschließlich aus Freunden: Von den Musikern bis zu den Jungs, die die Bühne aufbauen. Nur kurz hat Clueso mal in Köln gewohnt. Die Liebe zu Erfurt war stärker. „Nur in meiner Heimatstadt habe ich das Gefühl, dass ich ankomme. Das ist extrem wichtig, weil ich so viel auf Tour bin“, betont er. Bis Oktober singt er in den großen Konzerthallen. „Zwischendrin spiele ich mit meinen Bandkollegen spontan auf der Straße oder in einem Café.“

Clueso schläft bisweilen nicht mehr als drei Stunden. Er neigt zur Hyperaktivität: Mit Bandkollege Antonio rennt er nachts im Tourbus hin und her. „Wir legen uns nicht schlafen, wir fallen einfach um. Wie kleine Kinder“, sagt Clueso und lacht. Frisch wie aus der Buttermilch-Werbung sieht er auch nach drei Stunden Schlaf aus. Und die Studi-Mädchen träumen davon, neben ihm aufzuwachen.

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