Bach Ensemble Japan in Kloster Eberbach

Nichts beschönigt

Eltville - Mit Akribie und Ernst demonstrierte Dirigent Masaaki Suzuki mit seinem Bach Ensemble Japan in der Eberbacher Basilika, was Affektvielfalt in Johann Sebastian Bachs „Matthäuspassion“ ausmacht: Schmerz, Trauer, Verrat und Grausamkeit neben Freude, Hoffnung und Liebe. Von Reinhold Gries

Die japanisch-europäische Klangallianz aus acht Solisten, doppeltem Chor und zwei Continuo-Gruppen beschönigte nichts zwischen „Hosianna“ und später skandiertem „Lasst ihn kreuzigen“.

Dabei fanden Rachel Nicholls (Sopran), Robin Blaze (Altus), Gerd Türk (Tenor) und Peter Kooji (Bass) in den Chorsolisten Aki Matsui, Hiroya Aoki, Satoshi Mizukoshi und vor allem Dominik Wörner gleichwertige Partner. Mit heller Stimme und schauspielerischem Talent gab Gerd Türk den alles überstrahlender Evangelisten – gemeinsam mit Bass Kooji in der Jesus-Rolle. Nicholls´ strahlkräftige Arie „Ich will dir mein Herze schenken“ und Koojis Bass-Arie „Mache dich, mein Herze rein“ wiesen den Weg zur Katharsis. Durchdringend flehte Countertenor Blaze „Erbarme dich, mein Gott“, unterstützt von expressiv wallenden Turbae-Chören.

Der stimmgewaltige Chor stellte alles in den Schatten: Aus mollverhangenem Klagegesang der Zionstöchter tauchte das klare Dur des „O Lamm Gottes, unschuldig“ auf wie ein rettendes Schiff. Die Instrumentalisten webten dazu eine Abfolge oft überraschend weltlicher Harmonien, schöpften rhythmisch prägnant Tonhöhen und -tiefen aus. Freilich hätte man sich von den Streichern mehr subjektives Empfinden gewünscht. Suzukis klare Art der Führung kam dafür dem komplexen Fugengeflecht zu Gute. Er bevorzugte eher weit gespannte Klangarchitektur,

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