Noch einmal Teenager

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Mehr als zwei Jahrzehnte nach ihrer Gründung füllen Thomas D und seine schwäbischen HipHop-Kollegen die großen Hallen.

Trommelwirbel. Hinter einem weißen Vorhang tanzen vier Schatten. Gekreische. Der Stoff fällt, aber niemand ist drunter. Verblüffung. Von Kathrin Rosendorff

Alles nur eine Projektion. Dann schießen Thomas D, Smudo, And.Ypsilon und Michi Beck von unten auf die Rundbühne hoch und singen mit erhobenen Fäusten in der fast ausverkauften Frankfurter Festhalle „Wie Gladiatoren“.

Und alle singen mit: Vorpubertäre Jungs, die mit Mama Engtanz üben, Ü40-Väter, die sich cool wie Smudo fühlen, und Ü20-Mädchen, die sich eben noch am Fanta-Vier-Stand „Troye Freundin“-Shirts geholt haben. „Troy“ kommt aber erst später. Beim zweistündigen Konzert zum neuen Album.

Neben den aktuellen Titeln wie „Junge trifft Mädchen“ des achten Studioalbums „Für Dich immer noch Fanta Sie“ der 21 Jahre alten Stuttgarter HipHop-Band gehen die „Vier“ oft in die Vergangenheit. Smudo erzählt von den Anfängen, als sie noch im kleinen Frankfurter Club Cooky’s aufgetreten sind. Dann spielen sie „Der Picknicker“, Smudo bekommt bei der lustigen, Fanta-typischen Hüpf-Choreografie ganz rote Wangen und legt die Bomberjacke ab. „Bei dem Lied fühle ich mich wieder wie ein Teenie“, schreit eine brünette Fan-Frau ihrer Freundin zu. Die hört gar nicht hin, ist total im Fanta-Rausch und grölt und springt jedes Lied mit.

Alle Fantas tragen schwarze Jeans, immer noch in Übergröße: Sie müssen diesmal tanzen und sprinten. Denn um allen Fans nah zu sein, rennen Smudo, Thomas D und Michi Beck auf der Rundbühne umher, so dass jede Zuschauer-Seite sie mal von vorn sieht. Nur der ruhigste Fanta And.Ypsilon verharrt in der Mitte an seiner Soundmaschine.

Über der Bühne hängen drei Displays unterschiedlicher Größe und bilden eine Leinwand: Die Bühne ist mal grün, mal rot. Bei „Der Krieger“ senkt sich eine Diskokugel von der Decke, die lustige Schattenspiele auf den Saal wirft. Thomas D. zeigt ohne T-Shirt seinen durchtrainierten Oberkörper und viele Tattoos. Michi Beck scratcht zwischendrin wie früher und singt „Amadeus“ von Falco an. Auch „Push It“ von Salt’N‘Pepa mischen die Fantas ein und gehen dann zu „Sie ist weg“ über. Einige der neuen Lieder wie „Dann mach doch mal“ haben einen etwas härteren Beastie-Boy-Sound und sind nicht so leicht tanzbar. Besser klappt das bei „Gebt uns ruhig die Schuld“ und beim Gospel-Song „Smudo in Zukunft“. „Die da“ kommt nicht.

Am Ende wischt sich Smudo mit einem weißen Handtuch den Schweiß ab, wirft es in die Menge und ruft: „Danke, dass ihr uns ‚troy‘ geblieben seid“. Eine Frau in Smudos Alter ist besonders „troy“ und lüftet ihr T-Shirt.

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