Noch immer Show-Granate

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Musik-Superstar Liza Minnelli

Sie kann’s noch immer. Stimmlich sowieso und trotz spürbaren Hüft-Handicaps zu tänzerischer Geste ausholend. „Moving“ heißt das auf der Bühne, einer beweglichen wie bewegenden Liza Minnelli offenbar angeboren, die zum Tour-Auftakt Frankfurts Alte Oper an den New Yorker Broadway verlegte. Von Klaus Ackermann

Aus dem Leben singend und plaudernd und mit ihrem Alter kokettierend, riss die große Dame des Showgeschäfts zwei Stunden lang mit. Am Ende hielt es die Zuhörer im nicht ausverkauften Großen Saal kaum auf den Sitzen.

Frankieboy, Dean Martin, Sammy Davis Junior: Sie alle müssen von Wolke sieben der Sängerin die Daumen gedrückt haben, die ein aussterbendes Ritual belebt – die hohe Kunst, allein mit einer Big Band abendfüllend zu unterhalten. Ihre ausdrucksstarke Stimme und der Atem, ideal für beifallsträchtige finale Spitzentöne, lassen staunen.

Dass der Musical- und Filmstar die Schauspielerei im Blut hat, ist Ehrensache. Dazu serviert sie eine bekömmliche Prise Selbstironie: „Früher habe ich mich erst im zweiten Akt hingesetzt“, sagt „Liza mit Z und nicht mit S“ und macht es sich auf einem Regiestuhl bequem, um eine wunderschöne Ballade zu singen, die das Publikum in Trance versetzt.

Überhaupt sind es Swing-Nummern wie „Some Of Thes e Days“ oder „Alexander’s Ragtime Band“, die einem spontan in die Knochen fahren, mit viel Akkord-Pfefferminz verpackt und von einem Strahl-Trompeter stabilisiert, der Sympathien weckt. Wie die mittlerweile 63-jährige Show-Lady, die im „Best-Of“-Programm ihr Markenzeichen „Cabaret“ pointiert, dem Kollegen Charles Aznavour einen Lorbeerkranz flicht, aus dem auch als Film erfolgreichen Musical „Chicago“ zitiert und mit dem jungen Pianisten ein „I Can’t Give You Anything But Love“-Duett hinhaucht, dass selbst Skeptiker zu Fans werden. Nebenbei erzählt Liza, wie sie den Pianisten in einer Hotelbar entdeckte und ihn bat, sie den Rest ihres Lebens am Klavier zu begleiten ...

Natürlich steckt in solch „intimen“ Geständnissen auch ein gewisses schauspielerisches Kalkül. Dennoch wird so die Distanz zum Zuhörer schnell überwunden. Und bei Liza Minnellis Superhit „New York, New York“ kennt der Jubel keine Grenzen. Von einer lebendigen Legende entfacht, die hoffentlich noch lange nicht ans Aufhören denkt!

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