Noch immer in Umlaufbahn

+
Sie stellt die Zeichen auf Sieg und sorgt immer noch für kontroverse Diskussionen: Lena Meyer-Landrut in der Festhalle.

Über Lena Meyer-Landrut wird leidenschaftlich diskutiert. Selbst nachdem die 18-Jährige in Oslo den Eurovision Song Contest für Deutschland gewonnen hatte, wollten ewige Nörgler nicht verstummen. Von Ferdinand Rathke

Einmal mehr entfacht wurde das fiese Gehetze durch die erneute Teilnahme als Titelverteidigerin am Grand Prix 2011. Doch auch die unter dem Motto „Lena Live“ geführten neun Termine ihrer ersten Gastspielreise durch die größten Arenen der Republik sorgten schon im Vorfeld für viel Häme und Spott. Es kam, wie es kommen musste: Beim Tourauftakt in Berlin startete die 19-Jährige vor halbleeren Rängen, wirkte wenig spontan, hölzern, steif und zudem reichlich nervös.

Ganz anders gestaltet sich indes die dritte Tourneestation: Nahezu ausverkauft präsentiert sich die übergroße Frankfurter Festhalle, an der übrigens schon wesentlich klangvollere Namen gescheitert sind. Voll gepackt mit einer auf pure Partystimmung und Wir-wollen-unsere-Lena-sehen geeichten Fanschar zwischen 6 und 16 Jahren – viele in Begleitung ihrer Eltern.

Wie hat sie das bloß geschafft, werden Neider nicht müde zu fragen? Es werden krude wie nicht beweisbare Thesen aufgestellt: ein riesiges Kartenkontingent sei zu Schleuderpreisen oder gar ganz für lau verabreicht worden, damit die riesige Mehrzweckhalle an der Messe zum geplanten Mitschnitt für eine Konzert-DVD auch ja genügend Statisten vorweisen kann. Selbst wenn es stimmen sollte – was sagt es über die künstlerische Entwicklung der Senkrechtstarterin wirklich aus?

Tatsächlich filmt ein vielköpfiges Team samt riesigem Kameragalgen, der oft verdächtig tief über die Köpfe der zumeist mit Leuchtstäben bewaffneten Zuschauer fährt, den knapp 90 Minuten langen Auftritt von Lena-Superstar. Hightech-Schnickschnack dient als Bühnenkulisse, so eine opulente haben auch Céline Dion, Kylie Minogue oder Rihanna im Rücken. Erste Garde auch die üppig bestückte Begleitformation, die sich auf unterschiedlich hohe Podeste verteilt und wahlweise auf ein weibliches Streicherquartett sowie ein Damengesangstrio zurückgreifen kann.

Höhepunkte ist der Vorjahressiegertitel „Satellite“

Erstaunlich kraftvoll gelingt der Einstieg mit „Not Following“. Statt wie beim Vorentscheid 2011 in schickem Abendkleid auf schnieke Dame gestylt, setzt die Hannoveranerin auf modisches Understatement in sportlich-legerem Hosen-Top-Turnschuh-Look ganz in Schwarz. Es folgt ein gut einstudierter, wenn auch wenig spontaner Querschnitt durch die beiden Alben „My Cassette Player“ und „Good News“: „Love Me“, „At All“ und „Maybe“ funktionieren als gut gemachter Pop im typisch eigenwilligem Englisch, das immer so tönt, als wäre es tiefster Cockney-Slang.

Nicht ohne Ironie im Stimmtimbre singt die von der Kritik schon als Stefan Raabs Kunstprodukt Gescholtene „You Can’t Stop Me“ und „What Happened To Me“. Höhepunkte bleiben aber, wie zu erwarten, der Vorjahressiegertitel „Satellite“, der a cappella startet, und der von vier in Ganzkörperlatexkostüme gekleidete Tänzerinnen choreografisch untermalte diesjährige deutsche ESC-Beitrag „Taken By A Stranger“. Zur Zugabe liefert eine immer wieder artig beim Publikum sich bedankende Künstlerin „New Shoes“, „Touch A New Day“ und „I Like You“. Als Fazit ließe sich noch anmerken: Wann gab es zuletzt in Deutschland schon mal einen Grand-Prix-Sieger, der die Festhalle füllt und so die Gemüter bewegt?

Kommentare