Für den Normaldissidenten

Frankfurt - Auf dem Coverfoto ihres Albums „Vices & Virtues“ präsentieren sich Brendon Urie und Spencer Smith von Panic! at the Disco recht dandyhaft. Das weckt Assoziationen zur Glam-Rock-Ära ; auch an die Pet Shop Boys erinnert ihre stilbewusste, etwas halbseidene Coolness. Von Stefan Michalzik

Auf der Bühne sieht das anders aus. Musikalisch schlagen Panic! at the Disco in der Frankfurter Batschkapp nach dem Weggang der Kollegen Ryan Ross und Brent Wilson einen geraderen Weg ein.

Die aus Las Vegas stammende, 2004 von Highschoolfreunden gegründete Band hat auf ihrem Debüt „A Fever You Can’t Sweat Out“, das ihr großen Ruhm in der Heimat wie in Europa eingetragen hat, Alternative-Rock und Computerbeat sehr süffig zusammengebracht. Beim Nachfolger „Pretty. Odd“, der weniger Beachtung fand, verlagerte sich das Gewicht auf die Gitarren. Auch Banjo und Ukulele kamen ins Spiel.

Die verschwitzte Rockshow wirkt so perfekt wie die Aufnahmen zu „Vices & Virtues“. Selbst die Spontanität scheinen Sänger, Gitarrist und Keyboarder Urie und Schlagzeuger Smith, die Panic! at the Disco für die Tour mit Gitarrist Ian Crawford und Bassist Dallon Weekes auf Quartettstärke gebracht haben, nicht dem Zufall zu überlassen.

Alles zielt auf Süffigkeit. Es handelt sich um superleichten Pop mit klassischem, in den 60er Jahren verwurzeltem Songwriting, hymnischen Refrains und Harmoniegesängen. Das ist knallig, geht nach vorn weg – und darauf haben es Panic! at the Disco über all die Wandlungen der Inszenierung hinweg ja immer angelegt.

Das ist Musik für den Normaldissidenten zwischen 30 und 40. In der abgespeckten Konzertfassung klingen die direkten Songs, auf dem aktuellen Album glatt geschmirgelt, etwas rauer. Urie schraubt seine Stimme immer wieder in einen brüchigen Falsett hoch; mitunter eifert er gar den Soulcroonern nach. An der extrovertierten, aus eingängiger Melodik und Rockfermentierung mit Indie-Attitüde geschöpften Musik ist alles richtig: Saubere Arbeit – berechenbar und harmlos.

Rubriklistenbild: © pixelio.de/ Stephanie Hofschlaeger

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