Auf Nummer sicher

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Der gereifte Lausbub Eros Ramazzotti dirigierte in der Frankfurter Festhalle einen vielstimmigen Chor.

Frankfurt - Der Lausbuben-Charme vergangener Tage ist dahin, das Leben hat Spuren hinterlassen: Eros Ramazzotti ist reifer geworden – äußerlich und musikalisch. Davon konnte das Publikum sich in der nahezu ausverkauften Festhalle überzeugen – zumindest stellenweise. Von Dirk Iding

Erstmals seit vier Jahren ist der 46-jährige Italiener wieder auf Tour, im Gepäck hat er sein neues – mittlerweile elftes – Album „Ali e Radici“ (zu deutsch „Flügel und Wurzeln“). Auf dem setzt sich der Barde mit der unverwechselbaren Stimme in vielen Liedern nachdenklich und kritisch mit gesellschaftlichen Entwicklungen auseinander, beklagt etwa den Raubbau an der Natur oder die Unfähigkeit zu echter Kommunikation im Zeitalter des Internets.

In Frankfurt ging Ramazzotti allerdings weitgehend auf Nummer sicher. Stücke aus seinem neuem Album streute er nur behutsam ein, sondern vertraute – offenbar sehr zur Begeisterung seiner zahlreichen Fans – lieber auf Welterfolge wie „Quanto amore sei“, „Un‘emozione per sempre“ oder „Musica E‘“. Lieder voller großer Emotionen, die unter die Haut gehen und zumindest vom italienischsprachigen Teil des Publikums – und das war ein nicht geringer – inbrünstig mitgesungen wurden.

Mal rockig, mal mit viel Gefühl

Dargeboten wurde die Show vor einer einem Containerhafen nachempfundenen Kulisse; vielleicht eine Anspielung auf seinen Hit „Terra promessa“ („Verheißenes Land“). Die übereinander gestapelten Blechkisten wirkten zunächst nüchtern, verwandelten sich aber dank perfekter Licht- und Projektionstechnik in ein faszinierendes Bühnenbild.

Gut zwei Stunden gönnte Ramazzotti weder sich noch seiner exzellenten Begleitband eine Verschnaufpause und reihte Hit an Hit, mal rockig, mal mit viel Gefühl. Das war Eros Ramazzotti, wie ihn seine Fans seit schon fast einem Vierteljahrhundert lieben – vor allem die weiblichen. Und nicht wenige unter ihnen hätten bei „I Belong To You“, dem Nummer 1-Hit des Italieners mit der US-Sängerin Anastacia, gern mit einer seiner drei Sängerinnen getauscht. Denn da ist er plötzlich doch wieder aufgeblitzt, der Lausbuben-Charme des Frauenhelden.

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