„Sternstunden“ im Büsingpalais

Perlen der Klassik blank geputzt

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Er erwies sich als glänzender Moderator und vielseitig an den Tasten: Peter Josef Kunz-von Gymnich.

Offenbach - „Sternstunden der klassischen Klaviermusik“ war das traditionelle Konzert zum neuen Jahr diesmal überschrieben. Und im zweimal gut besuchten Offenbacher Büsingpalais zeigten sich sieben hiesige Tasten-Koryphäen wieder einmal in Bestform. Von Klaus Ackermann 

Dabei hielt das Programm ideal die Balance zwischen bekannten und weniger geläufigen, aber richtungsweisenden Perlen der Klavierkunst. Blankgeputzt von Offenbacher Pianisten, die erstaunliche gestalterische Reife bezeugten.

Ganz ohne Bach geht die Chose nicht, mit dessen Konzert für zwei Cembali C-Dur BWV 1061 Elena Kotschergina und Olaf Joksch auf zwei Konzertflügeln brillieren. Ein Instrumententransfer, bei dem der barocke Johann Sebastian nur gewinnen kann. Klare Sicht auf Stimmverläufe bietend und maßvoll die klanglichen Möglichkeiten des Tasteninstruments nutzend, das Adagio ein Dialog ohne Rechthaberei, die obligatorische Fuge ein flotter tänzerischer Kehraus, stehen beide exemplarisch für modernes Bach-Spiel.

"Eigene Kategorie" mit Felix Mendelsson

Als eine „eigene Kategorie“ sieht Peter Josef Kunz-von Gymnich, gute Seele dieses Konzert-Unternehmens und als Moderator mühelos direkt in Kontakt mit den Zuhörern, die „Lieder ohne Worte“ des Felix Mendelssohn. Ihrer vier hat Jürgen Blume aufgelegt, der zwischen feinfühligem Melos und dramatischem Moll der Romantik frei von akademischer Distanz nachspürt. Das gipfelt im empfindsamen „Frühlingslied“ op. 62, Nr.6 – und man fragt sich, warum es diese Charakterstücke nur als Zugabe in den allgemeinen Konzertbetrieb schaffen.

Dagegen ist Chopin dortselbst ein Dauergast, dessen berühmtes Fantasie-Impromptu und die sauschwere Revolutionsetüde sich Frank Spannaus zur Brust nimmt, dem es an Pianierkraft und Feingefühl für die lyrischen Momente dieser Virtuosen-Proben nicht mangelt. Und der mit Kunz-von Gymnich am zweiten Flügel den ersten Satz aus Mozarts populärer g-Moll-Sinfonie so akkurat und erlebnisreich durchformt, dass man der These des Moderators nur zustimmen kann: „Lieber zwei gute Klavierspieler als ein schlechtes Orchester“.

Wie ein Wiener Walzertraum

Der so vielseitig an Tasten sich in Szene setzende Kunz-von Gymnich zeigt Format zudem bei Franz Liszt, dessen Valse-Impromptu wie ein Wiener Walzertraum im französischen Klavier-Salon wirkt. Bis in Anschlagsnuancen hinein vom Pianisten auf den Punkt gebracht. Und das fällt ebenso auf: Werner Fürst entwickelt sich mehr und mehr zum Spezialisten für die schwerblütige Prosa des Spätromantikers Johannes Brahms, dessen Rhapsodie g-Moll er zur spannenden Ballade macht. Prädestiniert für ein Evergreen wie das Intermezzo Es-Dur.

Hochklassig einmal mehr die Tastenkunst des Ronald Fries, der sich mit Beethovens Sonate pathetique intensiv auseinandergesetzt hat. Ein konzertanter Gipfelgänger, der auch im scharfen Tastengalopp noch (quasi fantasia) Akzente setzt, der das Andante cantabile genussvoll zelebriert wie er dem rasanten Rondo ureigene Fasson gibt.

Tüpfelchen auf dem „i“ sind zwei Sätze aus der Sonate für zwei Klaviere des Franzosen Francis Poulenc (1899-1963), an dem Kotschergina und Joksch einmal mehr ihr Mütchen kühlen. Ein Werk, das ein modernistisches Eigenleben entwickelt, mit machtvollen Akkord-Pfeilern und einer Motorik, die das versierte Duo voll ausreizt.

Showtime schließlich mit dem berühmten Boccherini-Menuett für acht Klavierhände und ein Nachspiel: Die sieben Pianisten erhalten in diesem Jahr den Offenbacher Kulturpreis. Wer sonst?!

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