Grenzenloses Requiem

Offenbach - Offenbachs Beitrag zum Deutschen Chorfest war ein gewichtiger: Im Capitol erklang Mozarts Requiem, aufgeführt von der Offenbacher Kantorei und dem Mödlinger Symphonischen Orchester aus Offenbachs österreichischer Partnerstadt. Von Eva Schumann

Die Gäste stellten der Totenmesse Mozarts durchaus lebensfrohes Klarinettenkonzert voran. Dennoch eine gute Wahl, ist es doch als eines seiner letzten vollendeten Werke dem Requiem am nächsten. Nebenbei eine kleine Hommage an Offenbach und den Verleger André, der nach Mozarts Tod die Erstausgabe veröffentlicht hat. Conrad Artmüller, der künstlerische Leiter des Orchesters seit dessen Gründung vor 26 Jahren, wusste es mit akkurater Zeichengebung zu motivieren. Das ursprünglich für Bassetthorn bestimmte Konzert spielte Leo Wittner auf der heute üblichen Klarinette. Er war den nicht unerheblichen technischen Anforderungen gewachsen, auch wenn er Gestaltungsnuancen vermissen ließ. Für den herzlichen Beifall bedankte er sich mit zünftigem Benny-Goodman-Swing.

Von der komplizierten und weithin rätselhaften Quellenlage des unvollendeten Requiems ließen sich die Interpreten glücklicherweise nicht beirren und hielten sich an die allgemein übliche Fassung. Von der Sorgfalt der Einstudierung durch den neuen Chorleiter Friedemann Becker konnte man sich in wachsendem Maße überzeugen.

Verständigung mit den österreichischen Partnern

Die Verständigung mit den österreichischen Partnern funktionierte gut. Hilfreich war, dass Artmüller schon vorher Offenbacher Proben geleitet hatte. Er wählte mäßige Tempi, dirigierte exakt, gab zuverlässige Einsätze, und die Kantorei reagierte präzise und engagiert. Auch die Textverständlichkeit war lobenswert. Die Akustik der engen Capitol-Bühne wirkte sich auf den Klang des Tutti und einzelner Stimmgruppen allerdings ungünstig aus.

Über manche Interpretationsfeinheiten könnte man streiten, etwa über die Trauermarsch-artige Schwere des Introitus, dem die Dramatik der unruhigen Orchestereinwürfe widerspricht. Oft vermisste man das Fließen der Musik, den großen Bogen. Mehr Leben und Leichtigkeit war im Offertorium zu spüren, anrührend auch der Klangfarbenwechsel beim „Salva me“. Trefflich artikuliert war das Agnus Dei, packend die dramatischen Partien der Sequenz. Einfühlsam erklang das eingefügte Ave Verum corpus KV 618.

Das Solistenquartett war zwar wegen des Übergewichts der Außenstimmen kein sehr harmonisches Ensemble. Die Sopranistin neigte zu opernhaftem Vibrato, im Gegensatz zum instrumentaleren Stil der Altistin Johanna Krell und dem stilistisch passenderen feinen Timbre des Tenors Florian Feth. Doch gelang ihnen ebenso wie dem Bassisten Jürgen Orelly insgesamt eine sichere und differenzierte Gestaltung.

Rubriklistenbild: © Pixelio.de/Paul Georg Meister

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