Offenbachs stürmischer Frühling

Überwiegend stürmisch verlief der Lauterborner Klavierfrühling. Dass Haydn am Samstag den Anfang machte, war nicht nur Reverenz an sein 200. Todesjahr, sondern auch Herzensanliegen von Werner Fürst.

Schon im G-Dur-Trio aus dem Jahre 1784 widerlegten Fürst, die Geigerin Bettina Weber und die Cellistin Berenike Der bidge mit energischem Zugriff das Klischee vom „Papa Haydn“. Im fünf Jahre später entstandenen e-Moll-Trio wogten Sturm und Drang mit schroffer Melodik und Wechseln zwischen Pathos, Leidenschaft und Empfindsamkeit. Gut aufeinander abgestimmt, brachte das Ensemble die kontrastreichen Züge fein zum Ausdruck.

Wie sein Lehrer Gade und wie Schumann hat auch der dänische Komponist Carl August Nielsen das romantische Genre der Fantasiestücke bedient. Seine „Fantasistykker“ (1889) sind weniger bekannt, doch Oboisten können sie bei dem schmalen Angebot von Kompositionen für Oboe und Klavier kaum ignorieren. Mit tadelloser Technik und schön ausgestalteter Klangrede von Elke Heinrich gespielt, erwiesen sich die schmerzvolle Romanze und die spritzige Humoreske als reizvolle Entdeckung. Ihre interpretatorischen Qualitäten zeigte die Oboisten auch bei den Schumannschen Fantasiestücken. Die Oboe d’amore, für die sie sich entschied, fügte sich allerdings klanglich weniger ideal zum Klavier.

Wigbert Traxler erwies sich wie gewohnt als Gipfelstürmer. Kühn war nicht nur die Wahl der grandiosen letzten Sonate Beethovens, sondern auch das Unterfangen, das Opus 111 auf dem Kawai-Flügel zu spielen. Dass der Pianist dieses Werk technisch makellos beherrschte, war keine Überraschung, eher die klanglichen Abstufungen, die er hervorzauberte.

Mit Beethoven knüpfte das sonntägliche Finale an. Die junge Pianistin Annabella Vares trug die dritte der Sonaten op. 31 (1801/2), kernig, trocken und mit Betonung des spielerischen Charakters vor. Ihre technische und gestalterische Sicherheit, anfangs durch kleine Konzentrationsschwächen gestört, bewies sie dann auch bei zwei Préludes von Rachmaninoff.

Laurie Reviol hatte mit fünf Hindemith-Liedern eine originelle Wahl getroffen, vergnüglich die ausgesuchten französischen, englischen und deutschen Texte von La Fontaine, Dauthendey, Whitman, C.F. Meyer und Samuel Lover. Hindemiths Melodik verstand die Sopranistin mit weit tragender Stimme und großer Klarheit zu vermitteln. Wesentlichen Anteil am genussvollen Hörerlebnis hatte ihr Mann Jan als Klavierpartner. Packend gestaltet waren auch drei sensible, durch die Stimmungswechsel besonders anspruchsvolle Ophelia-Lieder von Richard Strauss.

Für das spektakuläre Finale sorgte Benjamin Proescholdt, der sich diesmal den Chopin-Zyklus op. 25 vornahm und durch fabelhafte Technik, farbiges Spiel und vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten beeindruckte – eine Glanzleistung. EVA SCHUMANN

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