Ohne Tenor, aber mit viel Harmonie

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So erklang zum Saisonabschluss von „podium kammermusik“ in der Petrusgemeinde Wolfgang Amadeus Mozarts „Entführung aus dem Serail“ in der Fassung für Harmoniemusik mit acht Bläsern.

Langen - „Seien Sie froh, dass Sie diesen Tenor nicht hören müssen“: Nein, kein Palast und, schade eigentlich, kein Harem waren zu sehen, keine Konstanze sang und kein Pedrillo. Schließlich gibt es in Langen auch kein Opernhaus, wohl aber einen engagierten Kammermusik-Verein mit besten Kontakten zum hr-Sinfonieorchester. Von Axel Zibulski

So erklang zum Saisonabschluss von „podium kammermusik“ in der Petrusgemeinde Wolfgang Amadeus Mozarts „Entführung aus dem Serail“ in der Fassung für Harmoniemusik mit acht Bläsern. Der da gegen Tenor Pedrillo wetterte, war Sprecher Christoph Werkhausen, der als Palastwächter Osmin durch die Handlung des 1782 in Wien uraufgeführten Singspiels führte. Ein Eunuch mit tief liegendem Bass – so hat es Mozart gewollt, und so fügte sich Werkhausen auch bestens ins Konzept der Harmoniemusik-Fassung.

In der Oper bildet dieser Osmin am türkischen Hof den konservativen und ein wenig tumb gezeichneten Gegencharakter zum aufgeklärten Herrscher Bassa Selim. Und so hat man schon pessimistische Inszenierungen gesehen, in denen dieser Osmin seinen Chef am Ende einfach wegputscht.

Doch die Fassung mit Mitgliedern des hr-Sinfonieorchesters in Langen brauchte sich mit derart Konzeptionellem nicht weiter aufzuhalten, sondern konnte munter die bekanntesten musikalische Momente der Oper aneinander reihen, angefangen mit der besonders quirlig in der Besetzung mit je zwei Oboen, Klarinetten, Fagotten und Hörnern sprudelnden Ouvertüre. Solche Harmoniemusiken, wie sie die acht Bläser vorstellten, dienten in der Mozart-Zeit freilich eher der Untermalung gesellschaftlicher Anlässe als dem konzentrierten Zuhören – ein geschickter dramaturgischer Zug also, die Handlung durch Werkhausen zusammenfassen zu lassen.

Und mehr noch: Mit seinem respektablen Bass steuerte der Sprecher sogar zwei Osmin-Arien bei. Am Ende reger Applaus für diesen launigen Saisonabschluss nebst zwei Nummern aus Mozarts „Entführung“ da capo.

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