Elina Garanca und Brünner Philharmonie in der Alten Oper

Viele vokale Gesichter

Frankfurt - Sie kam, sang und siegte: In Frankfurt war Elina Garanca ein Star, bevor die Mezzosopranistin ihre Weltkarriere startete. Von Axel Zibulski

Vom Theater des thüringischen Städtchens Meiningen aus gastierte die gebürtige Lettin bald an der Oper Frankfurt – eines der ersten großen Häuser, das der heute 38-jährigen Sängerin die Bühne öffnete. Dass sich Garanca in Frankfurt heute umso mehr auf zahlreiche Fans verlassen kann, bewies ihr umjubelter Auftritt mit einem Arien-Programm in der Alten Oper, das unter dem weiten Motto „Meditation“ stand.

Begleitet wurde die Diva von den Brünner Philharmonikern, die ihrerseits unter der Leitung von Garancas Ehemann Karel Mark Chichon für das aufmerksame, weiche, bestens abgestimmte Fundament sorgten. Auf musikalisch Gezuckertes mochte die Mezzosopranistin nicht verzichten: In jenem kuriosen „Ave Maria“, das der Russe Vladimir Vavilov 1970 in frühbarocker Machart schrieb, veredelte sie mit ihrer perfekten Technik sogar die süße Schicht der Verzierungen und Portamenti.

Gebet der Leonora als Glanznummer

Wie gut dennoch, dass sie an anderen Stellen in ihrem weiten Ausdrucksspektrum deutlich stärker gefordert war: Ihr vor der Pause gesungenes Gebet der Leonora aus Verdis Oper „Die Macht des Schicksals“ faszinierte als Glanznummer des Abends: Die Höhen sang sie voll, rein und frei aus, die Dramatik stärkte sie durch Färbungen und Intensivierungen des Tons, die Registerwechsel gelangen ihr makellos.

Elina Garanca hat viele vokale Gesichter. Die realistische Herbheit in „Voi la sapete“ aus Pietro Mascagnis sizilianischer „Cavalleria Rusticana“ traf sie dabei genauso stilsicher und stimmungsbildend wie den virtuos-perfekten Belcanto-Gesang in einer Arie aus Donizettis Opernrarität „Dom Sébastien“. Wie bravourös gelang es ihr, in nur wenigen Minuten die Aura einer ganzen Oper zu skizzieren.

Opernball in Frankfurt

Opernball in Frankfurt

Die Reihe der dazwischen gespielten orchestralen Nummern erschien freilich eher wie eine Wunschkonzert-Perlenkette, zumal die Brünner Philharmoniker unter Karel Mark Chichon die eingangs gespielte „Air“ von Johann Sebastian Bach erst einmal erheblich romantisierten und später gern auf die Wirkung pfeffrig-schmissiger Schlusswendungen setzten. Das vorzüglich disponierte Orchester sah in den Zwischenspielen wie Ponchiellis „Tanz der Stunden“ oder der „Finlandia“ von Jean Sibelius glücklicherweise keineswegs nur eine Pflichtübung, spielte sauber, schwungvoll und beseelt.

Zumal das Zusammenwirken mit der umjubelten Diva des Abends rücksichtsvoll bis mitreißend gelang, bis hin zum Lied der Carmen (Georges Bizet) sowie im spanisch-italienischen Zugabenteil mit Puccinis lieblichem „Il mio babbino caro“ zum Abschluss.

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