Opern-Gala stimmstarker Interpreten

Raumtragende Stimmen, großes Publikum, Beifallsstürme – in Offenbachs Marienkirche herrschte Opernhausstimmung. Auf dem Programm standen Opernhits des 19. Jahrhunderts. Für ihre neue Konzertreihe „Accademia Sancta Maria“ hatte die Neu-Offenbacher Altistin Hiromi Mori den australischen Pianisten Michael Clark mitgebracht, von der Frankfurter Oper die Bergsträßer Sopranistin Birgit Treschau und den koreanischen Heldentenor Sung-Ho Kim. Von Reinhold Gries

Schon in Federicos ergreifendem Lamento „E la solita storia“ aus Francesco Cileas Oper „L’Arlesiana“ wandelte Kim in strahlenden Höhen auf Mailänder Spuren. Bravos auch für die ausdrucksstarke Arie „Pourquoi me réveiller“ (Warum erwachen) aus Jules Massenets „Werther“. Glanzpunkte setzte der Jungtenor in Verdis „Rigoletto“-Ballade „Questa o quella“. Melodramatischer Belcanto auch in dessen Arie „Lunge da lei“ aus „La Traviata“.

Bestens disponiert war die Japanerin Mori. Wie sie sich in Rollen einzufühlen weiß, spürte das Publikum in samtdunkler Arie der Mignon von Ambroise Thomas. Italiensehnsucht verbreitete Azucenas Arie „Stride la vampa“ aus Verdis „Troubadour“. Mit Sensibilität und Energie näherte sie sich Saint-Saëns’ Dalila-Arien „Printemps qui commence“ und „Mon coeur s’ouvre à ta voix“.

Birgit Treschau schien die Arie der „Fidelio“-Gattin Leonore gerade gut genug zum Einsingen, um dann mit fulminanten Höhen, expressiven Koloraturen und rasanten Stimmsprüngen aufzuwarten. Donna Leonores „Son Giunta, grazie, o Dio“ aus Verdis „Macht des Schicksals“ steckte voller dramatischer Aufschwünge. Zum Höhepunkt geriet die szenische Desdemona-Darstellung zu Verdis „Othello“ mit Mori als Emilia.

Dass man dem einfallsreich und klangmächtig auftrumpfenden Begleitpianisten Michael Clark keinen passenden Flügel zur Verfügung stellen konnte, war übrigens schade. Hatte er doch ein ganzes Orchester zu ersetzen.

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