René Pape in der Frankfurter Oper

Opernbass auf der Liederbühne

„Göttern, Königen und Dämonen“ hat René Pape seine jüngste Arien-CD gewidmet; das Frankfurt-Debüt des gebürtigen Dresdners freilich galt einer anderen Gattung: Ausschließlich romantische Kunstlieder von Franz Schubert, Hugo Wolf und Robert Schumann standen beim letzten Saison-Liederabend der Oper auf dem Programm.

Begleitet wurde der Bass, Ensemblemitglied an der Berliner Staatsoper, vom ebenfalls aus Dresden stammenden Pianisten Camillo Radicke.

Pape ist eher ein Opern- als ein Lied-Bass – so zumindest der Eindruck in der eröffnenden Gruppe von Liedern aus Schuberts Zyklus „Schwanengesang“: Der „brausende Wald“ im „Aufenthalt“ klang in der Höhe zu offen und brüsk, der Ausruf „Ich unglücksel’ger Atlas!“ kam der exakten Intonation nur in Näherungswerten entgegen.

Umso besser traf er den Deklamations-Stil in den folgenden drei Liedern des Richard-Wagner-Apologeten Hugo Wolf. Das resignierte „Ich weiß es nicht“ im letzten der drei interpretierten „Michelangelo-Lieder“ klang jedenfalls so, als ob es der angeschlagene „Walküren“-Wotan ausstoßen würde, wobei Pianist Radicke den an Wagner-Chromatik reichen Klaviersatz schön in der Schwebe hielt. Zurück zu Schubert – nunmehr ausgeruht strömte Papes Stimme in der Hymne „An die Musik“, erstaunliche Bass-Wendigkeit zeigte er in Schuberts quirliger Vertonung von Goethes „Musensohn“, großartig die exakte, wortverständliche Artikulation.

Einen zwiespältigen Eindruck hinterließ die zweite Konzerthälfte, in der sich Pape neben den Zugaben von Richard Strauss und Robert Schumann auf dessen Heine-Zyklus „Dichterliebe“ konzentrierte. An dramatisch geschärftem Ausdruck fehlte es nicht – „Im Rhein, im heiligen Strome“ klang so emphatisch wie gut phrasiert, das tönende Bild der schmetternden Trompeten („Das ist ein Flöten und Geigen“) setzte Pape vokal höchst anschaulich um. Manche stimmliche Derbheit, manche intonatorische Freizügigkeit freilich festigte den Eindruck von einem Sänger, der auf der Opernbühne noch eine Spur versierter ist als auf dem Lied-Podium. AXEL ZIBULSKI

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