Silvesterkonzert

Orchestrales auf der Orgel

Offenbach - Musikprofessor Jürgen Blume war es vorbehalten, in der Johanneskirche den sehr beachtlichen Offenbacher Beitrag zum „Jahr der Kirchenmusik“ zum guten Ende zu führen. Von Reinhold Gries

Das gelang ihm im Rahmen des traditionellen Silvesterkonzerts an seiner Orgel mit zauberhaften Stücken, die bei den zahlreichen Besuchern spätweihnachtliche Stimmung aufkommen ließen. Im Vordergrund standen Bearbeitungen barocker bis frühklassischer Orchesterkonzerte mit wohlklingenden Kontrasten zwischen melodieführenden Soloinstrumenten und prächtigen Tuttieinsätzen.

In italienischer Manier ist das Violinkonzert des jungen Prinzen Johann Ernst von Sachsen-Weimar komponiert. Johann Sebastian Bach transkribierte es in seiner Weimarer Zeit für die Orgel, indem er Orchester- und Soloabschnitte notengetreu auf beide Manuale verteilte und Klärungen durch Oktavwechsel vornahm. Blume hielt das konzertante Gegen- und Miteinander sehr transparent und filigran. Im Grave malte er ein besinnlich-pastorales Orgelflötenidyll. Aus anderem Holz war - nach nachdenklichen Betrachtungen Blumes zum marianischen Magnificat-Lobgesang – Bachs „Fuge sopra Magnificat“ geschnitzt. Sie verband aus gregorianischer Zeit stammenden „Tonus peregrinus“ mit durchgängiger Kontrapunktstimme. Blume hielt das Stimmengeflecht überschaubar, bevor er die Fugenkunst mit Pedalbässen zu kraftvollem Finale führte.

Ein unterschätzter Komponist

Der Thüringer Johann Christian Heinrich Rinck, der unterschätzte Komponist des auch elegant arpeggierenden „Flötenkonzerts F-Dur“ op.55 für Orgel, war Bachs Enkelschüler. Später wirkte er als Hoforganist und Kammermusiker des Hessen-Darmstädter Großherzogs Ludwig I. und brachte seinen galanten Stil mit nach Hessen. Blumes fein nuancierendes Spiel malte Rincks reizende spätbarocke Ideen aus, um dann dessen harmonischen Weg in die Frühklassik anzudeuten.

Bilder vom Jahreswechsel in aller Welt

Silvester in aller Welt: Bilder vom Jahreswechsel

Der Georg Friedrich Händel, den Blume vorspielte, war ebenfalls kein wuchtiger, pathetischer. Denn dessen Konzert op. 4, Nr. 6 in B-Dur war ursprünglich für Harfe komponiert bzw. für Harfe und Orchester eingerichtet. Die Orgel reflektierte den Esprit des galanten Konzerts sehr eindrucksvoll, denn das Instrument kann ja Oboen wie Flöten imitieren. Blume achtete auch im Andante allegro und seiner Reprise auf Spielfreude. Im Larghetto stellte er melodiebetonte Solostimmen in der Vordergrund, umrahmte orchestral.

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