Orgelperformance in der Marienkirche

Sakrales und Künstlerisches

Offenbach - Wie beim 100-jährigen Weihefest der Offenbacher Marienkirche Sakrales und Künstlerisches zusammengehen soll, zeigte das Eröffnungskonzert. Von Reinhold Gries

Das Weihefest in der Marienkirche wurde mit dem langjährigen Mainzer Domorganisten Albert Schönberger und Monsignore Hans Blamm, die von Altarraum und Empore Bögen spannten von klassischer Orgelmusik und Improvisationen hin zu Gesang und sakralem Wort, eröffnet.

Im Wechsel mit Blamms Texten begann Schönbergers Orgelperformance mit Matthias Hippes sehr harmonischem „Concerto D-Dur“ moderat bis lebendig. Erstaunlich war, wie festlich und schön die große Klais-Orgel klingen kann, wenn man ihre Register wirklich ausschöpft. Da wirkte auch das bekannte „Ave Maria“ Johann Sebastian Bachs mit Melodien von Charles Gounod filigraner als sonst, während sich Bachs zerlegte Akkorde im Pedalsolo des Präludiums C-Dur von Schönbergers flinken Füßen aus zu mächtigen Plenumspiel aufbauten. Max Regers Choralvorspiel „Wachet auf“ stand als Hauptmotiv, bei dem es ums Öffnen von Seele und Geist für Mitmenschen wie Gott ging.

Harmonische Windungen

Was Schönberger zum biblischen Thema „Das Wort wurde Fleisch“ in fast gregorianischem Gestus vorsang und zart auf der Orgel begleitete, sorgte auch durch dessen veritablen Bariton, der bis zum „Tenor II“ aufsteigen konnte, für Verblüffung und Berührung. Vor der wunderschönen Synthese zweier freier Orgelimprovisationen zu den Liedern „Maria, dich lieben“ und „Ein Haus voll Glorie schauet“ demonstrierte Schönberger, wie man Joseph Rheinbergers romantische Musik spielen kann: Die „Cantilene F-Dur“ hörte sich zunächst barock an, erinnerte an Bachs Toccaten. Dann schlich sich das Sentiment des 19. Jahrhunderts ein mit harmonischen Windungen bis hinein in die Achtelläufe des wehmutsvollen Stimmungsbildes.

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