Originalklang-Ensemble Anima Eterna

Karneval als tierisch vergnügte Angelegenheit

Frankfurt - Selten hat ein Einspielstück im sinfonischen Klassikprogramm so für Stimmung gesorgt. In Minimalformation zu Zehnt eröffnete Anima Eterna Brügge das Konzert in der Alten Oper gewissermaßen mit tierischem Ernst. Aber mit sichtlichem Vergnügen. Von Eva Schumann 

Den „Karneval der Tiere“ von Camille Saint-Saëns hat man so noch nie gehört. Getreu seiner Überzeugung, dass Interpreten dem Komponisten Respekt erweisen, indem sie das Instrumentarium seiner Zeit benutzen, lässt Jos van Immerseel sein Ensemble auf historischen Instrumenten spielen. Auf zwei Erard-Flügeln aus der Zeit um 1900 ließen van Immerseel und Claire Chevallier Löwen brüllen, Wildesel auf- und absausen, Kängurus hüpfen. Der Elefant vollführte seinen Sylphentanz unwiderstehlich auf einem Bassgamben-Vorgänger des Kontrabasses. Die Geigen mit ihren Darmsaiten ließen ebenso überzeugend Hühner gackern und Hähne krähen, Schildkröten in Zeitlupe Can-Can tanzen und Vögel herumschwirren. Unsentimental verschlankt ließ das Violoncello den Schwan vorbei schweben. Kurzum, die parodistischen Bosheiten der zoologischen Suite kamen aufs Anregendste zur Wirkung. Obwohl van Immerseel das Ensemble nicht dirigierte und die beiden höchst virtuos geforderten Pianisten einander den Rücken zukehrten.

Weitere bildhafte Musik folgte, nun aber in Orchesterbesetzung und unter dem Dirigat van Immerseels. Ravels kleine Märchensuite „Ma mère l´oye“, der Bolero und Mussorgskys „Bilder einer Ausstellung“ hörte man ganz neu, sowohl die authentischen Instrumente, als auch eine ungewohnte Aufstellung trugen dazu bei. Beim Bolero hielten die Interpreten gemäß der Vorgabe das Tempo mit exaktem Gleichmaß. Das Thema erhielt dennoch eine kaum spürbar ungleichmäßige, raffiniert jazzige Note.

So wirkt Musik auf unseren Körper

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Das Konzert war nicht nur als Debüt von Anima Eterna in Frankfurt ein besonderes Erlebnis. Es war auch das erste der aktuellen Tournee. Das Frankfurter Publikum feierte die Gäste mit stürmischem Applaus. Vor allem nach dem Abschluss mit den „Bildern einer Ausstellung“ in Ravels Orchesterfassung. Die fahle Entrücktheit des Schlosses, die mühevolle Schwere der Ochsenkarren waren ebenso bildhaft wie die beredte Kontrastierung der jüdischen Gesprächspartner, die beklemmende Unterwelt oder der brutale Auftritt der Baba Jaga. Das grandiose Finale mit der Farbenfülle und Begeisterungsfähigkeit des Ensembles war nicht zu überbieten.

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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