Ozzy Osbourne und Black Sabbath

Schwarze Metal-Messe in der Festhalle

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Spaß haben sie auch im gesetzten Alter: Ozzy Osbourne und Gitarrist Tony Iommi gaben beim Konzert in der Frankfurter Festhalle ihr Bestes.

Frankfurt - In Anlehnung an einen politisch nicht ganz korrekten Kettcar-Song müsste man wohl philosophieren: So lange der dicke Mann noch singt, hat der Exorzismus nicht fertig. Aber glaubt man dem Fürsten der Finsternis, scheint auch gesichert: Das ist nur das Ende des Anfangs – und Gott tot. Oder so. Von Peter Müller 

Die alten Haudegen von Black Sabbath haben sich in der seit Wochen ausverkauften Frankfurter Festhalle mal wieder zu einer schwarzen Heavy-Metal-Messe eingefunden, in Fast-Original-Besetzung. Das allein verzückt Hardrock-Jünger, Alt-Metaller und Hobby-Satanisten schon aufs entschiedenste. Es wird denn auch ein frenetisch bejubeltes Best-of-Reunion-Konzert, das einzig die Frage nicht beantwortet: Wer ist dieser Sänger, der mal „The Blizzard of Ozz“ John Michael Osborne gewesen sein soll?

Natürlich ist das immer so eine Sache, wenn sich veritable Rock-Legenden nach diversen, jämmerlich gescheiterten Wiedervereinigungs-Versuchen und ganze 35 Jahre nach dem letzten Studioalbum plötzlich bis überraschend doch wieder zusammenraufen. Black Sabbath, die 1970 aus der Vorhölle von Birmingham gekommenen Hardrock-Satanisten, haben das für ihr sagenhaft erfolgreiches Album „13“ irgendwie hingekriegt. Womöglich war es ja auch die letzte Chance: Die Gründungs-Jungs sind alle rentenreif, Super-Gitarrist Tony Iommi hat gerade eine Krebsdiagnose zu verdauen und beim exzentrisch-selbstzerstörerischen Frontmann Ozzy Osbourne muss man schon von einer Sensation sprechen, dass er es überhaupt bis zum Fünfundsechzigsten gepackt hat.

Dicker Kajal, Löwenmähne und dunkle Kutte

Nun steht der mit dickem Kajal, Löwenmähne und dunkler Kutte geschmückte Mad Man vor einer Videowand, über die allerlei grobkörniger Satans-Splatter aus Hollywoods C-Movies der Siebziger flimmert und predigt mantramäßig, dass er uns liebt, dass wir doch gefälligst „crazy“ sein sollten und lauter. Zur Sirene von „War Pigs“ und einigen satanischen Versen in „Into The Void“ und „Under The Sun“, war der Dämonen-Abgesandte schon durch die Kulisse getaumelt, dass man sich sorgen musste, ob er die obligatorische Rausschmeißer-Zugabe „Paranoid“ noch unbeschadet erreicht. Jetzt, nach dem psychedelisch-finsteren Kokain-Lamento „Snowblind“, wirkt er wie eine unfreiwillige Karikatur seiner selbst.

Nein, nicht nur „God is dead“. Auch der „Prince of Darkness“, der sein untotes Leben als Doku-Soap verhökert hat, kommt wie ein schrullig gealterter, derangierter Darsteller daher. Klar, man kann nun nostalgisch verklärend einwerfen, dass Ozzy schon immer absurdes, wenn nicht beklopptes Theater gespielt und eine Ganzjahres-Halloween-Show inszeniert hat. Nur, dass er ausgerechnet beim Song, der den Namen der Band und des Debütalbums trägt, keinen Ton mehr trifft und sich in immergleichen, ungelenken Posen abarbeitet, wirkt einfach nur tragikomisch.

Umso bizarrer ist, dass Tony Iommi daneben mit aristokratischer Coolness noch immer ganze Lava-Ströme aus seinen Gitarrenriffs zaubert und Bass-Legende Terry „Geezer“ Butler eindrucksvoll beweist warum er mit Motörhead Lemmy Kilmister zu den ganz Großen der metallverarbeitenden Abteilung gehört.

Dazu gibt der für den geschassten Bill Ward engagierte Drummer Tommy Clufetos eine grandiose Vorstellung und klopft nicht nur zu „Rat Salad“ selbst tonnenschwere Felsbrocken kurz und klein. So konzentriert, so kraftvoll und souverän hat man die Instrumental-Fraktion der Okkultrock-Erfinder lange nicht gehört. Da wird dann schon klar, warum diese virtuos brachialen Manifeste des Bösen Black Sabbath zu den Urvätern des Doom-Metal gemacht und Legionen von Nacheiferern inspiriert haben. Vielleicht muss man konstatieren: trotz Ozzy, der immerhin keine Fledermäuse mehr köpft. Und die Zweistunden-Tortur, dem Teufel sei Dank, unfallfrei übersteht.

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