Ein paar kräftige Schwimmzüge noch ...

Offenbach - Wenn eine Band den Ozean im Namen führt, will das nicht zwingend etwas heißen. Assoziationen von unendlicher Weite, von der Möglichkeit, sich zu verlieren liegen aber nahe. Von Stefan Michalzik

Das junge, aus dem maritimen Hamburg stammende Quartett Electric Ocean People, das im Offenbacher Hafen 2 gastierte, hält es auch im Albumtitel mit dem Meer: „Belly Of A Whale“ – Der Bauch eines Walfischs nennt es sein Debüt. Es hat ihm in der musikjournalistischen Rezeption Vergleiche mit dem TripHop der Bristol-Schule um Portishead und mit dem ätherischen Pop von Björk eingetragen.

Das dürfte sicherlich zu einem nicht geringen Teil der mattierten hohen Stimme von Sängerin Julia Weber zuzuschreiben sein. Electric Ocean People sind eine Elektropopband. Die Atmosphäre der Musik ist meist verhangen. Das Klangbild wird von den Beats und Loops des Synthesizers von Maria Schöning und des von einem Laptop flankierten Stehschlagzeugers Tjado Barsuhn bestimmt. Gleichwohl geht es um Melodien: Es handelt sich um Songs, nicht um Tracks. Pumpend ist hier nichts.

Bassist Christopher P. Radke spielt sein Instrument filigran, mitunter gar gitarristisch. Die Songs sind episch angelegt. Schleppende, dann wieder milde pulsierende Rhythmen. Dichte musikalische Texturen. Abweichend von den die Melancholie in einer unmittelbareren Weise verströmenden Aufnahmen des Studioalbums wirken manche Nummern im Konzert zwar vielleicht nicht direkt wohllaunig, es ist ihnen aber eine beschwingte Note eigen.

Die Sängerin und Perkussionistin Julia Weber ist ganz gewiss keine Melodramatikerin vom Schlage der Portishead-Sängerin Beth Gibbons. Kein Pathos, keine Überhöhung, kein expressives Moment. Statt dessen ganz gewöhnliche Natürlichkeit.

Das Gewöhnliche freilich ist in der Popmusik mehr noch als in jeder anderen Kunst Gift. Wer dieses Konzert nicht besuchen wollte oder konnte, hat wenig versäumt. Das liegt daran, dass dieser Musik das Entscheidende fehlt: Es gelingt ihr – zumindest einstweilen noch – nicht, ihren eigenen Standort zu finden. Eletric Ocean People brauchen noch einen Schritt – oder einige kräftige Schwimmzüge – nach vorn. Schon von seinem Auftreten her wirkt das Quartett noch arg hobbymusikerhaft. Bloß ablegen, etwas wagen – auf hohe See begeben!

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