Ein Muster an Präzision

Frankfurt - Als Paavo Järvi im Jahr 2006 als Chefdirigent zum hr-Sinfonieorchester kam, schätzten dessen Mitglieder schnell Järvis gestisch exakten, punktgenauen Dirigierstil. Von Axel Zibulski

Vier Jahre später übernahm der aus Estland stammende Musiker zugleich die Leitung des Orchestre de Paris, mit dem er jetzt erstmals gemeinsam in der Alten Oper Frankfurt gastierte. In Paris dürften Järvis enorme Konzentration und Präzision am Dirigentenpult noch stärker gefragt sein: Das 1967 gegründete Orchester der französischen Hauptstadt gilt, in seiner kürzeren Geschichte von großen Chefdirigenten-Namen wie Herbert von Karajan, Georg Solti und Daniel Barenboim verwöhnt, als durchaus divenhaft und ein wenig kapriziös.

Ganz ablegen konnte das Ensemble diesen Eindruck auch beim Gastspiel in Frankfurt nicht. Mit Claude Debussys Orchesterstück „Prélude à l’après-midi d’un faune“ erklang eingangs ein Werk des französischen Kernrepertoires nämlich eher farbmatt und weitgehend frei von Binnenspannungen. Im finalen „Boléro“ Maurice Ravels kamen Unkonzentriertheiten der Blechbläser, auch Unschärfen im Zusammenspiel der Streicher hinzu. Da konnte sich Järvi mit den hr-Sinfonikern dann doch auf das niveauhöhere Orchester verlassen, auch wenn jetzt seine Steigerungsdisposition im „Boléro“ fesselnd und mitreißend gelang.

Erst recht dürfte Järvi die hohe Präzision in den rhythmisch gezielt stockenden und stotternden Passagen jener „Symphony in three Movements“ zuzuschreiben sein, die Igor Strawinsky 1945 vollendete. Damit stand sie, ähnlich dem übrigen Programm mit Musik der klassischen Moderne, in eher freiem Kontext zum „Musikfest“-Schwerpunkt um Strawinskys Ballett „Le Sacre du Printemps“.

In Béla Bartóks drittem Klavierkonzert, das ebenfalls 1945 und damit im Todesjahr des ungarischen Komponisten entstanden ist, setzte der polnische Pianist Piotr Anderszewski ganz auf Martellato-Härten, wie sie beim frühen Bartók stilistisch besser aufgehoben wären. Seine technische Sicherheit und pianistische Schlagkraft waren freilich über jeden Zweifel erhaben.

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