Familiär ganz ohne Familie

Paddy Kelly im Offenbacher Capitol

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Paddy Kelly

Offenbach - Pünktlich ist der einstige Mädchenschwarm nicht, als er die Bühne des Offenbacher Capitols betritt. Das - überwiegend weibliche - Publikum hat es jedoch nicht eilig, wartet entspannt auf Paddy Kelly, das wohl bekannteste Mitglied der Kelly Family. Von Jenny Bieniek

Das Bühnenbild erinnert an ein Wohnzimmer aus längst vergangenen Zeiten: Perser-Teppiche, ein altes Radio, Omas Lampenschirm nebst beleuchtetem Globus und ausgebeultem Reisekoffer. Tatsächlich scheint der Abend für viele der Besucher eine Reise in die Vergangenheit zu sein. Vieles ist wie damals, nur ein paar Nummern kleiner.

Als Kelly schließlich gut gelaunt und energiegeladen loslegt, versiegen auch die letzten Zweifel ob seiner womöglich verblassten musikalischen Qualitäten. Doch schon mit dem zweiten Song, einem Cover von Bob Dylans „The Times Are A Changing“, macht Kelly klar: Ich bin nicht mehr der, der ich war. Auch die nach wie vor unverwechselbare Stimme täuscht nicht darüber hinweg, dass seit der Kelly-Family-Ära viel Zeit vergangenen ist. Für den 36-Jährigen kein Grund, auf die Hits von damals zu verzichten: Ob „Fell In Love With An Alien“, bei dem das Publikum bereitwillig den Sopran-Teil von Schwester Kathy übernimmt, „One More Song“, „Looking For love“, „Ares Qui“, „Hey Diddle Diddle“ oder „An Angel“, die Zuschauer danken es mit Beifallsstürmen. Hier und da rinnt gar ein Tränchen. Dass er auch rockig kann, zeigt er kurz darauf mit „One More Freaking Dollar“, „We Will Rock You“ und einem gekonnten Sprung vom Klavier. Humor beweist er, als er den Saal schließlich zu „An der Nordseeküste“ schunkeln lässt. Nach der Pause präsentiert Kelly Stücke aus seinem Soloalbum, darunter „Pray“, „Rain of Roses“, „Movie“ und „Hope“.

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Und da klingt er wieder durch: Der Glaube an eine bessere Welt. Von seiner Auszeit im Kloster zeugen das lateinische Gebetslied „Salve Regina“, „Amazing Grace“ und „Thanking Blessed Mary For Light Divine“, während der Schweigeminute ist es im Capitol mucksmäuschenstill. Auch neue Songs wie „Little Giants“ und „Shake Away“ werden textsicher mitgesungen. Mit dem „Ave Maria“ und einem Gebet beschließt Paddy Kelly das Gastspiel im Capitol. Es ist das Finale seiner Tour, die er sichtlich genossen hat.

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