Cro in der Hugenottenhalle

Panda-Rapper-Fete mit Kindercola

Neu-Isenburg - Der Panda-Rapper trinkt beim Konzert nur Kindercola. Sagt er zumindest. „Sonst steht er nachts wieder senkrecht in der Koje“, ruft sein DJ dem überwiegend in der Pubertät befindlichen Publikum zu und lacht. Von Kathrin Rosendorff

Cro trägt wie immer seine die obere Gesichtshälfte bedeckende Pandamaske. Sein Markenzeichen setzt er während des neunzigminütigen Konzerts nicht ab. Am Anfang war die Maske ein Spaß, mittlerweile nutzt der megagehypte Stuttgarter Rapper sie, um sein Anonymität zu wahren.

Mit Plastikwasserflaschen macht Cro „Wer fängt sie auf“-Spiele mit dem Publikum, holt ein Mädchen auf die Bühne, damit sie ihn erst umarmen darf und dann ein Foto mit seinem iPhone von ihm und seiner Band knipst. Bei der Zugabe wirft er zu seinem Hit „Easy“ Konfetti in die jubelnde Menge. Das seit Monaten ausverkaufte Cro-Konzert in der Neu-Isenburger Hugenottenhalle hatte etwas von einer Schulfete.

Cros Debütalbum heißt wie seine erste große Tour „Raop“ und bezeichnet auch seinen Musikstil: Eine radiotaugliche Mischung aus Rap und Pop. Voll mit fröhlichen Melodien und „Geile Welt“-Texten. Rannten die jugendlichen Rap-Fans vor fünf Jahren noch zu den aggressiv-aufgeladenen Bushidos und Sidos, die sich immer nur über „Waffen, Schlampen, Ghetto“ ausließen, steht Cro für eine positive Grundhaltung. Der Stuttgarter ruft also einem Fan ironisch-liebevoll zu: „Du liebst mich so richtig?“ und animiert seine Jünger eine fremde Person neben sich doch einfach mal zu umarmen. Seine wildesten Bagger-Zeilen lauten: „Ich chill’ im Bett mit ’ner Chick, die sieht aus wie die Sis’ von Beyoncé.“

Vor zwei Wochen  war Cro bei „Wetten, dass...?!“

15-jährige Jungs, bevorzugt im wohl wieder angesagten weißen Achselshirt-Look, und niedliche Teenie-Mädels mit ihrem ersten Make-Up-Versuchen heben ihre Hände zu Songs wie „Du“ „Einmal um die Welt“ oder „Jeder Tag“. Viele kleine Schulkinder sind mit ihren sich cool fühlenden Papas um die 30 da und müssen hochgehoben werden, damit sie etwas sehen können. Manche Mama tanzt am Rand mit. Das Bühnenbild ist dagegen wenig aufregend: Die Cro-Leuchtbuchstaben wechseln die Farbe. Gitarrist, DJ und Schlagzeuger halten zwischendurch mit Cro albernen Jungs-Smalltalk.

Angefangen hat der Hype vor knapp einem Jahr, als Jan Delay auf seiner Facebook-Seite Cros Video „Easy“ postete und ihn als „die Zukunft von Deutschrap“ vorstellte. Dann avancierte „Easy“- eine Sample-Version des Bobby-Hebb-Klassikers „Sunny“ - zum Radiohit. Vor zwei Wochen war Cro dann bei „Wetten, dass…?!“ zu Gast. Der schlaksige Cro verrät nicht viel von sich: Bekannt ist nur, dass er Anfang 20 ist, in der Nähe von Stuttgart lebt und Carlo Waibel heißt. Vor seiner Durchstarter-Karriere machte er eine Ausbildung zum Mediengestalter und zeichnete Cartoons für eine Lokalzeitung. Wie lange der Hype des selbsternannten „King of Raop“ weitergeht ist fraglich. Die Teenie-Händchen formen ihre Finger an dem Abend auf jeden Fall zu Herzen. Und Cro rappt „Meine Zeit ist jetzt“.

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