Party dauert ganze Nacht

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Von wegen Schmusesänger: Beim Frankfurter Konzert präsentierte sich Lionel Richie vielseitig.

So ein Pech aber auch. Da ist Lionel Richie in die Frankfurter Festhalle gekommen, um ein paar ruhige Songs zu spielen – sagt er augenzwinkernd. Und dann trifft er auf ein Publikum, das „total außer Kontrolle“ ist.  Von Markus Schaible

Doch – so ein Glück aber auch – zufällig hat der Mann dabei, was die Massen wünschen: 25 Songs zum Abfeiern.

Wer der irrigen Meinung ist, Richie sei ein Schmusesänger, sollte sich nie in eins seiner Konzerte verirren. Er könnte von dem, was da aus den Boxen dröhnt, weggeblasen werden und mitten im Jubelsturm der Fans landen. Sicher: Der 59-Jährige hat viele Hits mit Balladen gelandet. Und er spielt sie auch, teilweise sogar allein am Piano: „Still“, „Hello“, „Easy“ oder „Say You, Say Me“ sind wie geschaffen für die Pärchen im Saal. Doch wenn Richie mit seiner Band bei „Running With The Night“, „Angel“ oder „Dancing On The Ceiling“ losrockt, tanzt das Volk in der fast ausverkauften Festhalle bis in die letzte Reihe.

Ja, losrockt. Denn Richie ist zwar im Soul und R&B beheimatet, doch neben dem Pop fühlt er sich auch im Rock sichtbar wohl. Seine Band lässt es mitunter mächtig krachen, kommt manches Mal etwas zu rumpelig rüber. Andererseits: Dadurch wirkt der Auftritt nicht steril wie die durchchoreografierten Shows vieler anderer Stars – obwohl sicher alles genau geplant ist. Nur: Man merkt es nicht. Vielmehr nimmt man Lionel Richie von der ersten bis zur letzten Sekunde (wenn er bei „All Night Long“ mit zwei Mädchen die Bühne teilt) ab, dass er Spaß hat. Spaß und nochmals Spaß. Und das überträgt sich auf die Zuschauer. Sie feiern jeden Song, von den Anfangstagen Ende der 60er mit den Commodores (wie die selten zu hörende Perle „Wandering Stranger“) bis zu Stücken von der aktuellen CD „Just Go“.

Auch optisch werden sie optimal bedient: Zwei Großleinwände knapp unterm Hallendach zeigen jede Geste des Stars; zudem dient der komplette Hintergrund als Projektionsfläche, abwechselnd für Animationen oder ebenfalls Großansichten des Sängers. Und so können auch die Zuhörer ganz hinten sehen: Der Schweiß, der schon nach wenigen Liedern in Strömen fließt, ist echt. So echt wie die Musik. Und die ist so echt wie die Begeisterung der Fans, von denen unter Garantie keiner bedauert, gekommen zu sein. Auch wenn es nicht nur ruhige Songs gab ...

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