Lars Bartkuhn mit dem Passion Dance Orchestra

Kosmische Mischung

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Der Frankfurter Gitarrist Lars Bartkuhn lebt in Brasilien, seine Deutschlandtournee führt ihn jetzt nach Offenbach.

Frankfurt - An Offenbach und die Konzertlocation Hafen 2 hat Lars Bartkuhn nur beste Erinnerungen. Im Februar 2009 feierte sein Passion Dance Orchestra dort Live-Premiere. Jetzt tritt der mittlerweile in Brasilien lebende Frankfurter wieder in Offenbach auf. Von Detlef Kinsler 

Seinen Auftritt im mittlerweile abgerissenen Lokschuppen hat Lars Bartkuhn nicht vergessen. Auf Einladung von DJ Michael Rütten spielte er damals auf dem 44. Geburtstag des „Mr. Soul Patrol“. „Das war ein sehr schöner Abend, bei dem auch noch Rainer Trüby mit am Start war“, erinnert er sich an dieses Treffen musikalischer Freigeister in Offenbach.

Wenn der Gitarrist am Samstag im Verlauf seiner kleinen Deutschland-Tournee zurückkehrt an den Main, ist die Adresse zwar eine neue, die Gesichter aber doch vertraut. Denn nach der Live-Präsentation des neuen Passion-Dance-Orchestra-Albums legt niemand anders als Michael Rütten auf.

Auch Bartkuhn hat eine Vergangenheit an den Turntables, zusammen mit seinem Bruder Marek und DJ Yannick produzierte er fürs eigene Needs-Label House Music, die auch im benachbarten Robert Johnson das Publikum zum Tanzen brachte. Und der leidenschaftliche Musikliebhaber hatte schon lange eine Vision, „ein größenwahnsinniges Anliegen“, wie er heute schmunzelnd bekennt, nämlich „alles allein zu machen und dabei den größtmöglichen Sound zu erzeugen“.

Synthesizer und Sequenzer

Synthesizer und Sequenzer waren dabei die Instrumente, auf die er schon als Junge Zugriff hatte und mit denen er seine Ideen als eher introvertierter Typ am besten ausdrücken konnte. „Ich spielte auch früh Gitarre, doch die Bands in meiner Gegend, mit denen ich unterwegs war, kamen mir zu limitiert vor, als dass ich mit ihnen meine Stücke zum Besten geben wollte“, blickt Bartkuhn zurück. „Daher die Nerd-Sessions allein zu Hause mit den elektronischen Geräten.“ Doch dabei bleib es nicht. Schließlich galt es, Bach. Bossa, Pop, Ambient, ECM-Jazz, Downbeat, Drum’n’Bass und House zu einer eigenen Musik und „kosmischen Melange“ zu vereinen.

Auf seiner Facebook-Seite hat das Multitalent ohne Anspruch auf Vollständigkeit knapp 100 Namen als Einflüsse gelistet, von Mozart und Strawinsky über Keith Jarrett und Beatles oder Marvin Gaye bis Talk Talk, Björk und Sigur Rós. „Ich habe einfach mal in mich geschaut und drauflos getippt“, erklärt Bartkuhn, der weniger Erwartungen wecken als dokumentieren will, dass er sich der weiten Welt der Klänge geöffnet hat. Und er nimmt dabei keine besondere Position ein.

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Weit wichtiger und wesentlicher ist ihm, wie man seine Vorbilder beerbt, individuell interpretiert und ihnen Reverenz erweist. Zum Beispiel Baden Powell, Egberto Gismonti, Ivan Lins, Tom Jobim und Milton Nascimento, allesamt stilistische Grenzgänger, denen Bartkuhn auch geographisch nahe steht. Schließlich ist Brasilien die Heimat seiner Frau, mit der er zurzeit in Curitíba lebt.

„Brasilien spielte in meiner Sozialisation immer eine große Rolle. Ich liebte schon immer die Musik und wurde tief greifend von der Komplexität, den Harmonien und lyrischen Melodien meiner dortigen Helden beeinflusst.“ Und dennoch: „So absurd es klingen mag: Das neue Album hat eigentlich recht wenig mit Brasilien zu tun, zumindest in klischeetechnischer Hinsicht. Der Sound ist doch eher nordisch europäisch und spiegelt meine tatsächliche Heimat wider. Auf der anderen Seite gibt es aber harmonische und melodische Vielfalt ohne Ende, und das wiederum ist eine übergeordnete Gemeinsamkeit.“

Das Passion Dance Orchestra gastiert am 17. Januar (21 Uhr) im Offenbacher Hafen 2.

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